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Im deutschen Reich · 1896-10-01 · Heft 10 (Oktober 1896) · p. 474

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
2 (1896)
Issue
Heft 10 (Oktober 1896)
Article
Fleischbesudelungs-Prozesse
Date
1896-10-01
Page
474 (sequence 10)
Language
German
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474 Im deutschen Reich. Zeugenvernehmungen dieser Zug hervor. In dem Bericht der Zeitung „Deutsch", heißt eS: „Vertheidiger: Sie wollen nun gehört haben, daß die Angeklagten bei Vornahme ihrer Handlungsweise in einer sremden Sprache Ihnen unverständliche Worte murmelten? Winterscheidt: Jawohl. Vertheidiger: Sie meinten, es sei hebräisch gewesen." Sie „murmelten Worte" in einer fremden Sprache; Isaak Bonn hätte Worte in einer den Zeugen fremden Sprache „ausgesprochen"; — ganz klar ergiebt sich hieraus, die beiden Leute sprachen nicht mit einander; es handelt sich auch nicht um einen plötzlich über die Lippen kommenden rohen Ausruf, wie er in solcher Situation wohl denkbar wäre. In der Wendung „murmeln", „Worte aussprechen" liegt etwas, was an eine Beschwörung erinnert. Es ist jene Stimmung, als handele es sich darum, eine gewichtige Handlung mit geheimnißvollen Worten zu begleiten. Der Phantasie des Volkes sind solche Szenen halb voll Grausen, halb voll Beschwörung nicht fremd. Daß endlich der Vorgang nicht ein plötzlich eingetreteneö Zwischenspiel ist, zeigt sich gleichfalls völlig klar. Der eine Angeklagte sagte nicht entrüstet und bestürzt zu dem anderen, dem Hauptthätcr: Was fällt dir Vieh denn eigentlich ein; er zeigt sich nicht überrascht; er zeigt sich nicht bestürzt, daß ein Mensch eine fast unmenschliche Handlung begeht; er hindert nichts; nicht aus sittlicher Entrüstung und nicht aus der Erwägung, daß die Waare, welche Geld einbringen soll, ruinirt wird. Er scheint vielmehr solches Thun für ganz selbstverständlich zu halten, gewissermaßen als dazu gehörig, ja man kann sogar sagen, er betheiligt sich indirekt an der Manipulation. In dem Erkenntniß heißt es, er habe„während der Verunreinigung an demFleisch herumgeschnitten" und Zeuge Winterscheidt sagt nach dem Bericht von „Deutsch" während der Verhandlungen aus: „David hat unterdessen mit einem großen Messer in dem Fleisch herumgearbeitet." Also nicht etwa, daß er sich um den ganzen Vorgang nicht kümmert und das Fleisch weiter zerlegt; nein, er „schneidet an dem Fleisch herum"; er arbeitet „in dem Fleisch herum/" Auch' er thut also etwas Außergewöhnliches. Wer durch einen

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