Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 2 (1896)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1896)
- Article
- Fleischbesudelungs-Prozesse
- Date
- 1896-10-01
- Page
- 473 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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FleischbesudelungL-prozesse. 473 geschnitten und auf ein Gestell gelegt; nach Rückkehr des Isaak Bonn hätten beide das abgeschnittene Stück gewogen." Alsdann erfolgt die Schilderung jener Handlung des Isaak Bonn, wegen welcher Anklage erhoben wurde. Das Erkenntniß fährt hierauf fort: „Isaak Bonn hätte dabei Worte in einer den Zeugen fremden Sprache ausgesprochen; er hätte nach Vollendung der Verunreinigung das betreffende Stück Fleisch an sich genommen; David hätte während der Verunreinigung an dem Fleisch herumgeschnitten . . ." Eines ist klar; in dieser Scene findet sich auch nicht ein Zug, der die Handlung als einen Ausbruch plötzlich hervorbrechender Rohheit erscheinen ließe. Man möchte eher sagen, die Scene hat etwas Geheimnißvolles, sogar fast Feierliches und jedenfalls erscheint die strafbare Handlung nicht wie ein zufälliges Intermezzo, sondern wie ein Vorgang, der sachgemäß zum Vorausgegangenen und zum Nachfolgenden zu gehören scheint. Gewissermaßen geheimnißvoll leitet sich der Vorgang ein, denn obwohl die beiden Bonns sich allein wähnen, stößt der eine den andern an, als jener zuerst gesagt hatte, die Kuh sei nicht koscher geschlachtet; und auf diesen Rippenstoß berichtigt der sich nun und sagt das Gegentheil. Wozu der Rippenstoß bei Leuten nothwendig ist, die sich ganz allein glauben, ist nicht leicht zu begreifen; wozu das Hin- und Herlügen bei Leuten, die sich gegenseitig gewiß keine Faxen vorzumachen brauchen, und dieses Lügen ist um so weniger zu verstehen, da thatsächlich dies Fleisch später als nicht koscher an Christen verkauft morden ist, wie die Angeklagten selbst stets bestätigen. Vermag man diese Vorgänge in ihrer inneren Rothwendigkeit auch nicht zu erfasien, so können sie doch freilich erscheinen, wie die etwas dunkle Einleitung zu irgend einer Spitzbüberei. Eine Phantasie, die nicht aus der Tiefe einer folgerichtigen Motivirung herausarbeitet, könnte mit diesen unvollkommenen Mitteln aber recht wohl den Eindruck erzeugen wollen, hier spinnt sich etwas besonderes an. Bis zu einem gewissen Grade feierlich möchte der Hauptakt erscheinen, denn „Isaak Bonn hatte dabei Worte einer den Zeugen fremden Sprache ausgesprochen". Noch deutlicher tritt bei den