Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 2 (1896)
- Issue
- Heft 9 (September 1896)
- Article
- Berlin
- Date
- 1896-09-01
- Page
- 448 (sequence 3)
- Language
- German
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448 3m deutschen Reich. Aerztekongreß äußerte sich Prof. Mendel: „Wenn den jüdischen Aerzten resp. ihren Angehörigen beim Besuch des Kongresses irgend welche besonderen Schwierigkeiten gemacht würden, so werde wahrscheinlich Prof. Virchow und damit alle deutschen Aerzte von der Betheiligung absehen. Vielleicht würde sich Oesterreich diesem Verhalten anschließen und wäre damit der ganze Kongreß in's Wasser gefallen. Endgiltig sei über die Angelegenheit noch nicht entschieden." Inzwischen scheint die Entscheidung erfolgt zu sein, da Professor Virchow, der Präsident des deutschen Reichskomitees für den Moskauer Kongreß von Petersburg aus nachstehende Mittheilung an die „Berl. klin. Wochenschrift" gelangen ließ: „Die russischen Konsuln sind autorisirt, die Pässe aller — christlichen oder israelitischen — Aerzte zu visiren, welche sich im Jahre 1897 zu dem internationalen Kongreß nach Moskau begeben wollen." Wie in Nr. 43 der „Mittheilungen vom Deutsch-Israel. Gemeindebunde" kundgegeben wird, ist zum geschäftsführenden Vorsitzenden Herr Professor Dr. Martin P hilippson, zu einem der beiden Mitvorsitzenden Herr Jüstizrath Josephthal in Nürnberg gewählt, die Ernennung des anderen Mitvorsitzenden vertagt worden. Für den Fall der Behinderung des geschäftsführenden Vorsitzenden haben sich die Herren Syndikus Dr. Minden und Rechtsanwalt Dr. Silberstein zur Vertretung bereit erklärt. Der Ausschuß hat diejenigen Mitglieder, welche seit dem sechsten Gemeindetage eingetreten sind und in die Akklamationswahl des letzten, siebenten Gemeindetages nicht eingeschlossen waren, durch Kooptation wiedergewahlt und alle bisherigen Delegirten neu bestätigt. Zum Delegirten neu ernannt wurde Herr Rabbiner Dr. Samuel in Essen. Die Absicht des deutsch - israelitischen Gemeindebundes, eine „Statistik des Antheils der Juden an der deutschen Landwirthschaft" zu veröffentlichen, veranlaßte antisemitische Blätter zu nachstehender Aeußerung: „Die Herren würden sich ohne Neth bemühen, denn wir besitzen, wenigstens für Preußen, das zwei Drittel der in Deutschland lebenden Juden beherbergt, die in Frage kommenden Zahlen. Die Berufszählung von 1882 hat ergeben, daß dem Hauptberufe nach von 357 554 Juden in „Landwirthschaft, Gärtnerei und Züchterei" beschäftigt waren 812 Personen (636 männliche und 176 weibliche) als „Selbstständige und Geschäftsleiter", 831 Personen (589 männliche und 242 weibliche) als „Verwaltungs- und Arbeitspersonal". — Dazu ist zu bemerken, daß sich seit 1882 die Betheiligung der Juden an der Bodenkultur erheblich gesteigert hat, eine Thatsache, deren Bekanntwerden den Antisemiten sichtlich nicht willkommen ist!