Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 2 (1896)
- Issue
- Heft 9 (September 1896)
- Article
- Berlin
- Date
- 1896-09-01
- Page
- 447 (sequence 2)
- Language
- German
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Korefponbenjcn. 447 Wirthshause" eine von ihm selbst vorher anberaumte Feier seiner Rückkunft statt. Der Krug geht aber so lange — „zu Biere" bis er bricht! Ende September findet zum dritten Mal Termin im sogenannten „Fleischbesudelungs-Prozeß" statt. Außerdem hat Sedlatze! selbst mitgetheilt, er sei auf Grund eines von den Herren Ober-Staatsanwalt Drescher bezw. Oberhofmeister Freiherrn v. Mirbach veranlaßten Verfahrens wegen eines Artikels: „Der Judengeldsammler für die Berliner Kirchenbauten" in Nr. 42 des „Deutschen General-Anzeiger" am 20. August in Danzig verantwortlich vernommen worden. Der Berliner Stadtverordnete, Direktor der Charitö, Geheimer Regierungsrath Spinola benutzte, nach einer Angabe der agrarischantisemitischen „Deutschen Tageszeitung" seinen Vortrag über die hygienische Bedeutung der Einverleibung der Berliner Vororte, gehalten im Hörsaal des Chemiegebäudes der Gewerbe-Ausstellung, dazu, um vor der sehr zahlreichen Zuhörerschaft seinem Aerger gegen die antisemitische Wiener Gemeindeverwaltung Luft zu machen. Herr Geh. Regierungsrath Spinola behandelte die Frage, wie das zukünftige Groß- Berlin wohl zu verwalten wäre. Französisches Präfektenthum wünsche man nicht, führte er aus. Mit eben solcher Entrüstung müsse aber auch die Art des jetzt inWien herrschendenDemagogenthuws zurückgewiesen werden. Im Anschluß hieran sprach er die Hoffnung aus, daß sich die Berliner niemals verleiten lassen werden, einem derartigen antisemitischen Demagogenthum eine Stätte zu gewähren. Hoffentlich werde es sich auch nie nach Berlin verirren! Hiesige Blätter brachten in den ersten Augusttagen die Nachricht, daß die bekannte Autorität für Geisteskrankheiten, Professor Di-. E. Mendel, in Folge einer telegraphischen Aufforderung mit dem Blitzzuge nach Petersburg abgereist fei. Es wäre ihm ausdrücklich zugefichert worden, daß er keine Paßschwierigkeiten zu befürchten habe. Darauf versicherte der „Vorwärts", er habe aus zuverlässiger Quelle die Nachricht erhalten, daß Professor Mendel zum Zaren berufen wurde. Auf Grund einer Unterredung des Profeffors mit einem Mitarbeiter des „Berliner Fremdenblatt" berichtete dieses: „Profeffor Mendel hat sich allerdings zwei Tage in Petersburg aufgehalten, indessen handelt es sich um eine andere Persönlichkeit als den Zaren. Daß der bekannte Psychiater ohne Paßschwierigkeiten die Reise zurücklegen konnte, führte er aus seine Beziehungen zur russischen Gesandtschaft 'zurück. Ueber, den bevorstehenden Moskauer 30*