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Im deutschen Reich · 1896-09-01 · Heft 9 (September 1896) · p. 444

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
2 (1896)
Issue
Heft 9 (September 1896)
Article
Umschau
Date
1896-09-01
Page
444 (sequence 10)
Language
German
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444 Im deutschen Reich. liche Veröffentlichung: „Das K. K. Landesals Preßgericht Wien hat auf Antrag der K. K. Staatsanwaltschaft erkannt, daß der Inhalt des Druckwerks (Flugblatt), enthaltend das sogenannte „Lueger- Vaterunser", beginnend mit „Vater unser Lueger", endigend mit „Judengesindel", und dem sogenannten „Lueger-Glaube n", beginnend mit „Ich glaube an Dr. Lueger", endigend mit „ewiges Leben, Amen" (ohne Angabe eines Druckortes, Druckers und Verlegers), das Vergehen nach § 308 St. G. (Beleidigung einer gesetzlich anerkannten Kirche oder Religions-Genossenschaft) begründet, und es wird nach § 493 St. P. O. das Verbot der Weiterverbreitung dieser Druckschrift ausgesprochen, die von der K. K. Staatsanwaltschaft verfügte Beschlagnahme nach § 489 St. P. O. bestätigt und nach § 37 Pr. G. auf die Vernichtung der saisirten Exemplare erkannt." — Außerdem publizirte die „Wiener Ztg." die Liste der Studentenvereine, welche im Mai d. I. wegen des Beschlusses, den jüdischen Studenten keine Satisfaktion zu geben, von der Statthalterei aufgelöst worden sind. Diese Maienblüthe stand auch mit dem ehemaligen „Völkerfrühling" in Oesterreich in gar zu schroffem Widerspruch. Von einem der Veteranen jener Zeit, dem jetzt in Amerika lebenden Di\ Hans Kudlich gelangte an den Vorstand des Troppauer Männergesangvereins ein Schreiben, in welchem der alte Freiheitskämpfer seine Freude darüber ausdrückt, „daß es der bornirten antisemitisch-klerikalen Reaktion in Troppau nicht gelungen ist, aus den Köpfen und Herzen der Denkenden und Gebildeten den echt deutschen, freien und humanen Sinn zu verdrängen. Der gegenwärtig in Wien und Troppau herrschende Unsinn ist zu haarsträubend, als daß er lange andauern könnte. Allein dieses garstige Intermezzo bleibt doch eine Schmach für diese beiden Städte, welche eine so schöne, liberale Vergangenheit haben. Ich glaube und hoffe auf eine solche Wendung und Reinigung — werde aber wohl selbst dieselbe nicht mehr erleben." Die Umkehr in Wien wird sich trotzdem vielleicht rascher vollziehen, als man es im Allgemeinen erwartet, weil die durch den Ausgleich beider Reichshälften für Cisleithanien erwachsenen Nachtheile durch den Antisemitismus jetzt von Tag zu Tag verschlimmert werden. Je reaktionärer in ökonomischer und kultureller Beziehung in Wien gewirthschaftet wird, desto mehr verlegt sich der Schwerpunkt der österreichisch-ungarischen Monarchie nach dem unter einer geistig und wirthschaftlich freisinnigen Verwaltung aufblühenden Budapest. Daran wird das Zetern Dr. Lueger's über die Judo-Magyaren nicht das Geringste ändern und hoffentlich werden sich auch bald in Wien einsichtige

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