Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 2 (1896)
- Issue
- Heft 9 (September 1896)
- Article
- Umschau
- Date
- 1896-09-01
- Page
- 445 (sequence 11)
- Language
- German
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Umschau. 445 Männer finden, welche es für klüger erklären, noch duldsamer als die Ungarn zu sein, statt auf Magyaren und Juden zu schimpfen und die vaterländische Kraft in dem unmöglichen Bestreben zu erschöpfen, mittelalterliche Zustände wieder herzustellen« Die Magyaren wissen die Juden als Kulturträger zu schätzen. Als der ungarische Minister Daranyi vor Kurzem in der Stadt Fogaras u. A. auch von einer Abordnung der dortigen jüdischen Gemeinde begrüßt wurde, antwortete er auf eine Ansprache des Rabbiners Di-. Jordan: „Was die ungarische Negierung für die israelitische Religion gethan, that sie aus Pflicht und. als Lohn für die zahlreichen und ausgezeichneten Dienste, welche die ungarische Judenschaft im Interesse des magyarischen Volkes und Verbreitung magyarischer Kultur bisher in so lobenswerthec Weise geleistet. Die Statistik beweist ja, daß die Juden in erster Linie unter jenen stehen, welche die magyarische Kultur verbreiten. Ihnen, meine Herren, fällt in dieser Gegend, in welcher so viele verschiedene Nationalitäten wohnen, die wichtige Aufgabe zu, den nationalen Gedanken und die patriotische Gesinnung zu pflegen. Mit großer Freude erfuhr ich, daß Sie diese Aufgabe getreu und eifrigst durchführen. Nehmen Sie meinen Dank und die Versicherung entgegen, daß es mich immer freuen wird, wenn ich die jüdischen Interessen werde fördern können." Die Liebe zu der Scholle, auf der ihre Wiege stand, zeichnet die Juden selbst in solchen Ländern aus, wo sie über manche Bedrückungen zu klagen haben. So schrieb das in Petersburg erscheinende jüdische Blatt „Woschod": „Bei uns in Rußland sucht, kein einziger vernünftiger Mensch in der Auswanderung ein ernstes Mittel zur Lösung der Judenfrage. Die Geschichte zeigt, daß das Schicksal der jüdischen Bevölkerung auf der ganzen Erde einerseits mehr und mehr zur rechtlichen Gleichstellung mit der einheimischen Bevölkerung, andererseits zu der zunehmenden kulturellen Ausgleichung der Juden führt. Alle anderen Mittel, welche die Juden dem bürgerlichen Leben ihres Landes entfremden, verschärfen nur die Judenfrage und verzögern deren gedeihliche Lösung. Die Auswanderung kann keinen bedeutenden Theil der Bevölkerungsmassen umfassen. Durch dieselbe vermindert sich die Zahl der jüdischen Bevölkerung in Rußland nicht, zumal die Lösung der Judenfrage auf dem Wege der Ansiedelung in Argentinien nicht vorwärts schreitet. Es frägt sich deshalb, warum man nach überseeischen Ländern Menschen und Geldmittel senden soll, wenn diese wie jene in Rußland bleiben können." Wenn im Zarenreiche Juden so denken, dann ist es gewiß für deutsche Juden doppelt Pflicht, durch vorüber- 30