Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 2 (1896)
- Issue
- Heft 9 (September 1896)
- Article
- Umschau
- Date
- 1896-09-01
- Page
- 442 (sequence 8)
- Language
- German
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442 Im deutschen Reich. Partei in Bayern, sowie die beiden Wiener Antisemitenhäuptlinge Lueger und Schneider, welche jüngst nach München berufen wurden, um dort solche „irrige" Auffassung zu verbreiten und dadurch die antisemitische Bewegung auch in Bayern in Fluß zu bringen. Die von etwa 5000 Personen besuchte Volks-Versammlung im Kindl-Keller nahm einen stürmischen Verlauf. Die Hetzrede des österreichischen Reichslagsabgeordneten Schn e i d er über „Geschichtsfälschung und Irreführung der öffentlichen Meinung durch die Juden" wurde mehrfach durch Widerspruch unterbrochen; die Zwischenrufer wurden aber alsbald hinausgeworfen. Maßvoller trat der Wiener Vicebürgermeister Dr. Lueger auf, der sich auf eine antisemitische Beleuchtung der Verhältnisse der einzelnen Stände in Oesterreich beschränkte und es sorgfältig vermied, aus bayerische Zustände einzugehen. Räch dem um 11 Uhr erfolgten offiziellen Schluß der Versammlung kam es noch zu einer solennen Prügelei zwischen Judenfreunden und Judengegnern, wobei es Stockhiebe setzte und Maßkrüge als Wurfgeschosse dienten, ohne daß die anwesenden polizeilichen Organe zur Thätigkeit gelangten. Die Behauptung des Münchener Antisemitenbkattes, Lueger sei vergeblich ersucht worden, in dortigen katholischen Arbeitervereinen zu sprechen, hat sich als unbegründet erwiesen. Der „Bayer. Kurier" schrieb: „In einem katholischen Arbeiterverein oder gar in allen zu reden, hat dem Dr. Lueger gewiß kein Mensch zugemuthet. Die Centrumspartei bedarf der Hülfe des Dr. Lueger nicht, der hiesigen antisemitischen Partei aber wird die ihr gewährte Hülfe sicherlich nichts nützen. Was diese Partei im Münchener politischen Leben bedeutet, hat das Centrum bei den letzten Wahlen genugsam erfahren." — Dem Münchener „D. Volksblatt" zufolge sollte das bayerische Kriegsministerium einen Erlaß herausgegeben haben, in welchem Instruktionen für die Kompagniebezw. Batterie- und Eskadronchefs ertheilt werden, wonach die zu beurlaubenden Mannschaften „auch darüber aufzuklären seien, daß sie bei Beschaffung von Civilkleidung (Anzüge, Stiefel), die deutschen und christlichen Geschäftsleute berücksichtigen sollten, wodurch sie auch in den meisten Fällen die Garantie für solide, preiswürdige Maare erhielten; ganz besonders sei vor den jüdischen Kleider- und Stiefelbazaren und ähnlichen Schleudergeschäften zu warnen." Die „Münchener Allg. Ztg." erklärte darauf offiziös: „Nach unseren an zuständiger Stelle eingezogenen Informationen ist diese Mittheilung vollständig erfunden; im bayerischen Kriegsministerium ist von einem derartigen Erlaß nichts bekannt." Die offenbar darüber arg verstimmte