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Im deutschen Reich · 1896-09-01 · Heft 9 (September 1896) · p. 441

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
2 (1896)
Issue
Heft 9 (September 1896)
Article
Umschau
Date
1896-09-01
Page
441 (sequence 7)
Language
German
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Umschau. 441 Hanauer Land ziemliche Anstrengungen, Anhänger zu gewinnen. Ihr Agitator R e u t h e r reist von Ort zu Ort, und auch der Reichstagsabgeordnete Zimmermann glaubt, in Baden fruchtbaren Boden für den antisemitischen Samen zu finden. Man darf sich nicht verhehlen, daß die eigenthümlicbe Art der Bekämpfung des Antisemitismus, wie sie sich in Bodersweier gezeigt hat, nicht danach angethan war, die Bewegung im Keim zu ersticken; die übrigen Parteien sehen dem verhetzenden Treiben der Antisemiten ruhig zu. Bei den nächsten Reichstagswahlen werden sie dann wieder nicht begreifen, woher die große Zahl der antisemitischen Stimmen kommt." Der Berichterstatter der „Frankfurter Zeitung", dessen Mittheilung von antisemitischen Blättern als Angstprodukt und als „Reklame" für ihre Sache begrüßt wurde, hat jedenfalls zu schwarz gesehen, und was die antisemitischen Blätter über ihre Erfolge in Mannheim, Kehl u. a. O. schreiben, ist sicher zu rosig gefärbt. In Mannheim, welches der Führer der badischen Resormpartei, Konsul Köster, als einen vorzüglichen antisemitischen Boden bezeichnete, soll die Versammlung im Saale der Kaiserhütte zum kleineren Theil von Süddeutschen, zum größeren von norddeutschen Beamten besucht gewesen sein. Bei allen diesen Versammlungen bewährte sich, was der Minister Finger in der hessischen Kammer sagte, als man ihn wegen des Verbotes einer in König i. O. von den Abgeordneten Hirschel und Köhler geplanten Volksversammlung unter freiem Himmel interpellirte: „Der Verlauf der in Folge des Verbotes in geschlossenen Räumen abgehaltenen Versammlung hat die Befürchtung insofern bestätigt, als dieselbe zum überwiegend größeren Theile von jungen Leuten besucht war, denen es offenbar viel weniger darum zu thun war, sich in sachgemäßer Weise über die von den Veranstaltern verfolgten Ziele zu unterrichten, als die Gelegenheit zu benutzen, abwechselnd „Hochs" auf Gegner und Freunde der Partei auszubringen und sich in der Veranstaltung von „Radau" gegenseitig zu überbieten. Die Erfahrung hat gezeigt, daß die von antisemitischer Seite ausgehende Agitation das friedliche Zusammenleben der verschiedenen Bevölkerungsklassen vielfach auf das Bedenklichste gefährdet hat, indem durch dieselbe die irrige Auffassung verbreitet wurde, als ob die Angehörigen der israelitischen Religion als solche für bestehende schwere Miß stände in unserem Volksleben verantwortlich zu machenseie n." Diese gründliche Verurtheilung der antisemitischen Verhetzung trifft in erster Reihe auch die von W e n g g geleitete deutsch-soziale Reform-

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