Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 2 (1896)
- Issue
- Heft 9 (September 1896)
- Article
- Umschau
- Date
- 1896-09-01
- Page
- 439 (sequence 5)
- Language
- German
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Umschau. 439 bisherigen Arbeitsfelde nicht mehr ziehen, den Schwerpunkt ihrer Aktion neuerdings erfolgreich nach solchen Gebieten verlegten, wo ihre Tiraden noch den Reiz der Neuheit haben, z. B. Schleswig-Holstein, wo es fast gar keine Juden giebt. Dort leitet die antisemitische Agitation der frühere Rechtsanwalt Graf Reventlow in Kiel, welcher im verflossenen Frühjahr in einer antisemitischen Versammlung, in welcher erden Vorsitz führte, mit Bezug auf die alte bekannte „Affaire Jacobsen" die Behauptung ausgestellt hat, ein „jüdischer" Kaufmann Jacobsohn habe sich der Beschimpfung der christlichen Religion dadurch schuldig gemacht, daß er die Worte „Es ist vollbracht" zu Reklamezwecken benutzte. Der Central-Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens richtete darauf an den Grafen Reventlow ein Schreiben, in welchem es als auffallend bezeichnet wurde, daß Graf Reventlow keine genauere Kenntniß von einem Vorgang habe, der sich in seinem Wohnort abgespielt und längst von zahlreichen deutschen Zeitungen ausführlich besprochen worden sei. Graf Reventlow wurde aufgefordert, sich nachträglich bei Se. Hochwürden dem Propst Becker in Kiel, welcher den christlichen Händler Jacobsen zur Anzeige gebracht, zu erkundigen und dann seinen Jrrthum öffentlich zu bekennen. Da dieses Schreiben unberücksichtigt blieb, wollte der Central-Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens das Verhalten des Rechtsanwalts a. D. Grafen Reventlow durch ein Inserat in der „Kieler Zeitung" zur öffentlichen Kenntniß bringen. Die Redaktion sandte aber das Inserat mit der Bitte zurück, in dieser Form von der Veröffentlichung Abstand nehmen zu wollen, nicht wegen des Angriffs auf Reventlow, sondern weil Jacobsen wieder an die Oeffentlichkeit gezogen werde, der den Satz nicht in böser Absicht gebraucht habe. Wir gaben nun dem Inserat die nachstehende Fassung: /ihn v. Mat d. I. richteten wir an Herrn Rechtsanwalt a. D. Graf Reventlow in Kiel ein Schreiben, in welchem wir unsere Verwunderung darüber kund gaben, daß er einen jüdischen Kausmann Jacobsohn beschuldigte, die Worte .Es ist vollbracht" zu Reklamezwecken benutzt zu haben, nachdem bereits zahlreiche deutsch: Blätter übereinstimmend berichtet hatten, daß ein Händler, der weder Jude ist, noch von Juden stammt, jenen Unfug begangen habe. Wir forderten den Herrn Grasen Reventlow auf, als Ehrenmann seinen Jrrthum in Kiel öffentlich zu bekennen. Ob dies inzwischen geschehen ist, wissen wir nicht, da Herr Graf Reventlow unseren Wunsch, davon benachrichtigt zu werden, unberücksichtigt ließ. Wir bringen dies zur öffentlichen Kenntniß. Central-Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens." Auch diesem Inserat gewährte die „Kieler Zeitung" keine Aufnahme, weil die Redaktion keinen Grund einsah, „die Sache, über