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Im deutschen Reich · 1896-09-01 · Heft 9 (September 1896) · p. 438

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
2 (1896)
Issue
Heft 9 (September 1896)
Article
Umschau
Date
1896-09-01
Page
438 (sequence 4)
Language
German
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438 3m deutschen Reich. stänkern in allen Ecken umher, die Verwesungsbazillen, kindische Thorheiten und Klatschereien umherschleppend." Zu den vom Antisemitismus Geheilten soll auch der Berliner Schneidermeister V o l k m a n n, der Mitbegründer der antisemitischen Volkspartei, gehören, welcher als Diener des „Rektors aller Deutschen" die Kanalfestfahrt mitmachte und nicht nur die Kosten dieser Reise bestritt, sondern auch außerdem für Ahlwardt finanzielle Opfer brachte. Der Letztere beabsichtigt, der „Post" zufolge, auf kurze Zeit nach Deutschland zurückzukommen, Vorträge zu halten und die Reichstagsmandat-Angelegenheit zu- „regeln". Was er unter „regeln" versteht, werden seine Wähler dann sicher kennen lernen! Die Opferfreudigkeit in diesen Kreisen scheint aber nicht mehr groß zu sein, wie die finanzielle Lage verschiedener Parteiblätter zeigt. Der von dem Schöffengericht zu einer Geldstrafe verurtheilte frühere Redakteur Ernst Schindler erklärte nach eingelegter Berufung vor der Ferienkammer des Berliner Landgerichts II, er habe für seine Thätigkeit als „Schriftleiter, Berichterstatter und Buchhalter" bei dem Antisemitenblatt „Frei-Deutschland" ein Monatsgehalt von 50 Mark bezogen, dasselbe aber stets nur in Raten von 2 bezw. 1 Mark erhalten. Er habe davon fich und seine alte Mutter ernähren müssen, sei in Verlegenheiten gerathen und habe geglaubt, sich an den von ihm eingezogenen Beträgen schadlos halten zu dürfen. Da er dies erst nach erfolgter Mahnung der Verlagsanstalt mitgetheilt hat, bezeichnete der Gerichtshof seine Handlungsweise als eine unberechtigte und verwarf die eingelegte Berufung. Auch der Verleger des „Deutschen Bauernbund" in Landsb e r g a. 28. scheint nicht auf Rosen gebettet, da er wiederholt folgendes Gesuch veröffentlichte: „Mit 5—600 Mark sind wir im Stande, uns für das Blatt einen großen Vortheil zu verschaffen und den Fortbestand desselben bedeutend zu sichern. Welcher Parteigenosse, dem an dem Fortbestand dieses Blattes etwas liegt, leiht uns obige Summe gegen gute Zinsen und Sicherheit auf 6 Monate. Gefl. Adressen an die Expedition erbeten." Sollte dieses Inserat Erfolg haben, so wird der Landsberger Redakteur vielleicht die Freundlichkeit haben, die Adresse des großmüthigen Geldgebers dem karlistischen Abgeordneten mitzutheilen, der am 19. August in der spanischen Kammer eine antisemitische Rede hielt und betonte, man solle nicht bei den Juden Anleihen machen! „Stolz lieb' ich den Spanier" und mit stolzen Hoffnungen tragen fich auch die Wortführer der deutsch-sozialen Resormpartei, weil sie mit richtiger Würdigung der Thatsache, daß ihre Floskeln auf ihrem

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