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Im deutschen Reich · 1896-09-01 · Heft 9 (September 1896) · p. 437

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
2 (1896)
Issue
Heft 9 (September 1896)
Article
Umschau
Date
1896-09-01
Page
437 (sequence 3)
Language
German
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Umschau. 437 eines „wohlwollenden Abonnenten": „Ihr Blatt warnt mit Recht vor demAntisemitismus — der Haß erzeugt nie eine gute Frucht. Wir müssen uns immer an die christlichen Anschauungen halten. Der Antisemitismus ist nichts anderes als der Sozialismus geeint mit dem Kommunismus — ein Kampf der Habsüchtigen gegen das Kapital, dessen Vertreter durch unsere Schuld vorzüglich die Juden sind. Es ist aber etwas anderes, den Fremden verfolgen zu wollen, und etwas anderes, die Seinigen zu vertheidigen. Jede polnische und katholische Zeitschrift muß trotz allen Abscheus gegen den Antisemitismus zur Vertheidigung unserer Ehre und unseres Besitzthums bereit sein. Dabei kann man nie genug rufen: 1. dient nicht bei Juden, 2. kaust nicht bei Juden." — Der biedere Abonnent des „Lech", welcher sich in dieser Tonart weiter ergeht und schließlich eine dritte Warnung hinzufügt: „haltet nicht und leset nicht jüdische Zeitungen!" entpuppt sich durch solchen Dreiklang als ein echter Gesinnungsgenosse der angeblich von ihm verabscheuten Partei. Er gehört zu der Spielart unserer Widersacher, welche in der Praxis das übt, was sie in der Theorie verleugnet und leider giebt es solche „Geschäftsantisemiten" nicht nur in dem Leserkreise des „Lech", des „Post^p" und anderer polnischer Blättchen. Die antisemitische Strömung ist überhaupt bis jetzt im Allgemeinen keineswegs schwächer und ungefährlicher geworden, wenn auch die aus derselben hervorgegangene besondere politische Partei im raschen Niedergang befindlich scheint. Diese Partei hat aber so wirksam an die Instinkte der Mafien appellirt, daß andere Parteien das Geschäft sortzusetzen versuchen, um diese erregten Bevölkerungsschichten für sich zu gewinnen. Ein großer Theil der Bevölkerung hat sich glücklicher Weise bereits von demjenigen Antisemitismus abgewendet, der ohne Maske auftrat. Der Eindruck der sensationellen Enthüllungen des Hamburger Redakteurs Hans von Mosch konnte durch die Entgegnungen der Herren Liebermann von Sonnenberg, Zimmermann und E. Keil (im „Mod. Völkergeist") nicht abgeschwächt werden. Von der eigenen Partei sagte der ehemalige Mitarbeiter Ahlwardt's: „Ein paar klägliche Reste fristen noch durch „Landpartien", „Familienabende", „Stammtische" und durch geschästsantisemitische Bemühungen niedrigster Art ihr Dasein; das ist aber auch alles! — — Unzählige wackere Gesinnungsgenossen haben sich völlig entmuthigt oder angeekelt von den herrschenden Zuständen gänzlich zurückgezogen, und allerlei Schwarmgeister, die nichts für die Bewegung leisten, garnichts zu leisten fähig sind, führen das große Wort und

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