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Im deutschen Reich · 1896-09-01 · Heft 9 (September 1896) · p. 436

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
2 (1896)
Issue
Heft 9 (September 1896)
Article
Umschau
Date
1896-09-01
Page
436 (sequence 2)
Language
German
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,436 3m deutschen Reich. nischen Blatte nicht vorauszusetzen, weil es kürzlich eine angebliche Aeußerung des Kaisers verbreitete, wonach derselbe nur deshalb gegen die Oeffentlichkeit der Militärgerichts-Verhandlungen Bedenken hege, „weil die oft jüdischen Berichterstatter die einfachsten Dinge großartig auszuschmücken verständen." Die Organe des Centrums verfolgen offenbar mit solchen Kundgebungen, welche die angebliche „Nebenregierung", die kaiserlichen Nordlandsreise-Predigten u. A. m. betreffen, politische Zwecke, welche mit dem Antisemitismus nichts zu schaffen haben, wenn auch die antisemitischen Blätter damit gern ihre Spalten füllen. Eine Aeußerung der ehemals von den Antisemiten als Bundesgenossin betrachteten „Germania" veranlaßte kürzlich das Zimmermann'sche Blatt „Deutsche Wacht" zu dem drastischen Entrüstungsausbruch: „Wir meinen, daß jetzt Heu genug aus der Centrumsscheune herabgeworfen ist. Es übersteigt allen Begriff konfessioneller Toleranz, wenn der Ultramontanismus sich bereits direkt an den Kaiser heranwagt. Das ist eine Frechheit, wie wir sie bisher nur von sozialdemokratischer Seite gewohnt waren!" Auf die „Germania" sind die Organe der „deutsch-sozialen Reformpartei" überhaupt nicht mehr gut zu sprechen, seit sie einer irrthümlichen Behauptung der „Pfarrkirchener Bundeszeitung" gegenüber sich nicht mit der Erklärung begnügte, daß der verstorbene Schwiegervater des Centrum- Führers Dr. Lieber, Arnold, kein Jude gewesen und aus katholischer Familie stammte, sondern auch noch die schneidige Bemerkung hinzufügte: „Wie wir übrigens den Herrn Dr. Lieber kennen, würde er die Stammverwandtschaft mit Christus und den Aposteln derjenigen mit einem Sigl, Senftl, Zeitler et iä genus omne jedenfalls vorziehen." Auch die ultramontane „Köln. Volkszeitung" äußerte sich entrüstet über diejenigen, welche den duldsam denkenden Abg. Dr. Lieber durchaus zum Juden oder Judengenossen machen möchten. Sie berichtet über die Abfertigung eines Jülicher Landwirths, welcher allen Ernstes versichert haben soll, Dr. Lieber selbst sei ein getaufter Jude, und sagt dann: „Wenn der Bund der Landwirthe zu solchen Mittelchen greifen würde, um die Politik des Centrums zu verdächtigen, würde mich dies nicht wundern; daß man derartige Unwahrheiten zu gleichem Zwecke aber selbst in dem katholischen Jülicher Lande anbringt, ist unerhört." Die kleineren ultramontanen Blätter, insbesondere einzelne polnische Zeitungen fördern aber nach wie vor den Antisemitismus, selbst wenn sie denselben aus religiösen Gründen verdammen. Am deutlichsten giebt sich diese Zweiseelen-Theorie in dem Gnesener Blatt „Lech" kund. Dasselbe veröffentlichte z. B. nachstehende Korrespondenz

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