Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 2 (1896)
- Issue
- Heft 9 (September 1896)
- Article
- Umschau
- Date
- 1896-09-01
- Page
- 435 (sequence 1)
- Language
- German
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435 Umschau. Die einflußreichsten Organe der Centrumspartei verhalten sich zumeist dem Antisemitismus gegenüber aus religiösen und ethischen Gründen ablehnend, wenn sie auch von Zeit zu Zeit Auslaffungen bringen, welche mit dieser Haltung nicht im Einklang zu stehen scheinen. Die ultramontane „Köln. Volks-Zeitung" sah sich durch unsere Verbreitung einer größeren Anzahl Exemplare der von dem Komitee zur Abwehr herausgegebenen Schrift „Die Kriminalität der Juden in Deutschland" veranlaßt, dieser Schrift am 20. August d. I. eine ausführliche Besprechung zu widmen. Diese schließt mit den bedeutsamen Worten: „Der Ausblick in die Zukunft wird insofern für günstiger angesehen, als die Bestrafungen der Nichtjuden um 28, die der Juden nur um 8 v. H. zugenommen haben. Hierbei übersieht der Verfasier eins: die Zunahme der Bestrafungen von Nichtjuden hat vorwiegend Rohheits- Vergehen, also Mißhandlungen, Widerstandsleistungen und dergleichen zum Gegenstände. Hier handelt es sich wesentlich um Ausschreitungen, die sich kennzeichnen als Ausfluß einer bedauerlichen Festwuth und zügellosen Vergnügungssucht. Sie wird mehr und mehr zu einem wachsenden Krebsschaden unserer gesellschaftlichen Verhältnisse. Den Juden gereicht es zur Ehre, aber auch zu einer sichtlichen Hebung ihrer wirthschastlichen Lage, daß sie sich diesem unglücklichen Zuge der Zeit im Allgemeinen fern zuh alten wissen. Wenn die vorliegende Schrift an die Juden die Mahnung richtet, dort mit aller Energie durch Erziehung und durch sozialen Einfluß einzugreisen, wo Schäden zu beseitigen bleiben, so möchten wir der christlichen Bevölkerung, besonders den einflußreichen Kreisen derselben, gegenüber die Erwartung aussprechen, daß die in's Ungemessene wachsende Vergnügungssucht und Festwuth als die trübe Quelle zahlloser Strafthaten, als die Ursache wirthschastlichen Niederganges breiter Bevölkerungsschichten mit allem Nachdruck bekämpft werde. Auch nach dieser Richtung soll die christliche Bevölkerung hinter den Juden mindestens nicht zurückstehen." Eine judenfeindliche Absicht braucht man danach bei dem Köl-