Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 2 (1896)
- Issue
- Heft 9 (September 1896)
- Article
- Staatsmann, Dichter und Philosemit
- Date
- 1896-09-01
- Page
- 428 (sequence 11)
- Language
- German
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428 deutschen Reich. nachdenklich ist, wo sein Mund überfließt von göttlichen Aussprüchen, wo man wie Hiob und Salomo spricht." Das war immer wieder die Sehnsucht nach dem Morgenlande, der er schon früher in den Worten der Friedensmarseillaise Ausdruck' geliehen hatte: »Laßt uns wie Jakob's Söhne zu den Palmen Des Nils hinwandern, die in das entfernte Egypten wallten, als verfehlt die Ernte, Und heimwärts kehrten reich an vollen Halmen!" Er aber blieb im Abendlande und wirkte unermüdlich schriftstellerisch fort, um dem drohenden gänzlichen firianziellen Ruin vorzubeugen. Der Staatsstreich seines politischen Gegners Louis Napoleon am 2. Dezember traf ihn schwer, aber nicht unvorbereitet. Daß er damals durch schwere Krankheit verhindert wurde, in der von ihm geplanten Weise gegen jene Gewaltthat in den schärfsten Worten zu protestiren, rettete ihn vor der Rache Napoleons, gab aber seinen persönlichen Feinden die Möglichkeit, ihn zu verdächtigen, der Kostgänger der Bonaparte's geworden zu sein. Das wurde er niemals trotz seiner Armuth. Als er genas, waren die beiden vorher von ihm redigirten Blätter „Le conseiller du peuple“ und „Pays“ in Folge der drückenden Zeitverhältniffe eingegangen. Ein von übereifrigen Freunden in bester Absicht gemachter Versuch, den Dichter durch eine National- Subskription von seiner schweren Schuldenlast zu befreien, brachte ihm keine vollständige Rettung, belastete ihn aber mit dem Vorwurf, von seinen Feinden Wohlthaten erbeten zu haben. Nach dem 1863 erfolgten Tode seiner edlen Gattin fand der schwergeprüfte Dichter, der nun auch körperlich zu leiden hatte, an seiner Nichte Valentine eine opferfreudige Pflegerin, welche sechs kummervolle, entbehrungsreiche Jahre hindurch bis zu seinem am 21. Februar 1868 erfolgten Hinscheiden treu bei ihm ausharrte. Der einst so gefeierte Staatsmann und Schriftsteller schien in den nächsten Jahren von seinen raschlebigen Landsleuten vollständig vergessen, bis ein dankbarer jüdischer Freund, der Bildhauer Adam Salomon, der kleinen Gemeinde Milch, in deren Mitte Lamartine seine glücklichsten Tage verlebt hat, die von ihm gearbeitete wohlgetroffene Büste des Dichters schenkte. Nachdem diese am 26. Oktober feierlich aufgestellt worden, hielt es endlich auch seine Geburtsstadt Macon für ihre Pflicht, das Andenken ihres be-