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Im deutschen Reich · 1896-09-01 · Heft 9 (September 1896) · p. 427

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
2 (1896)
Issue
Heft 9 (September 1896)
Article
Staatsmann, Dichter und Philosemit
Date
1896-09-01
Page
427 (sequence 10)
Language
German
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Staatsmann, Dichter und Philosemit. 427 als Dichter, Geschichtsschreiber und Volksvertreter unermüdlich weiter. Er hielt im Jahre 1850 in der gesetzgebenden Versammlung eine bedeutsame Rede über die Eisenbahn von Paris nach Avignon, wobei er den Nutzen des Eisenbahnwesens richtiger würdigte, als die in derselben Sitzung anwesenden bekannten Politiker Jules Grsvy und Adolphe Thiers und der Gelehrte Arago. In der von großem Scharfsinn zeugenden Rede sagte er unter Anderem von der damals in Frankreich viel angefeindeten Börse: „Wenn Ihr Regen wollt, müßt Ihr Euch auch die Wolken gefallen lassen. Die Sammelbecken für das Geldwesen sind für die Industrie, was die Wolken für den befruchtenden Regen sind." Ein Biograph Lamartineö, Alexandre, berichtet über den Verlauf jener Sitzung: „Der Finanzminister Achills Fould, alle Geldleute, alle Juden zollten dem Redner Beifall, der ihnen wieder wie im Jahre 1648 Beistand leistete, trotzdem sie ihm nicht in der Roth geholfen hatten. Ohne Groll trat er für sie ein, um damit der Republik zu nützen." Damit thut Alexandre wenigstens den Juden entschiedenes Unrecht. Wenn sich auch Einzelne derselben ihm seit dem Jahre 1846 entfremdet hatten, so z. B. Crümieux, so hatte er doch an den bereits erwähnten beiden Juden Milland und Miräs, an dem Bildhauer Adam Salomon, besonders aber an dem bekannten Brrlagsbuchhändler Michel L>>vy treue und opferfreudige Freunde. Während der katholische Verleger Ricolle, welcher an den Erstlingswerken Lamartine'« ein schönes Vermögen verdient hatte, sich später von ihm zurückzog, durfte Michel L'wy von ihm sagen: „Wenn ich ein Buch von ihm hcrauSgebe, gewinnt dabei nur das Publikum. Er spricht mir so lange von seinen Pferden, seinen Dienern und seinen Armen, bis er mir das Doppelte von dem abgelockt hat, was ich ursprünglich zahlen wollte." Millaud und Mirös machten ihn 1850 zum Chefredakteur des von ihnen käuflich erworbenen Blattes „Pay.s", für welches er viele geistvolle Leitartikel schrieb, von denen der eine, „Gegenseitige Dilldung" überschrieben, besondere Erwähnung verdient. Was seine jüdischen Zeitgenossen vorzugsweise an ihm schätzten, war seine rrnverkennbare Verchrlmg für das Morgenland und die alttestamentlichen Sprachdenkmäler. Als er 1850 mit dem Gedanken umging, die ihm von dem Sultan Abdul Medschid. geschenkten Ländereien in Kleinasien zu besuchen, schrieb er: „Ich liebe den Orient, wo der Mensch edel, tief und

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