Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 2 (1896)
- Issue
- Heft 9 (September 1896)
- Article
- Staatsmann, Dichter und Philosemit
- Date
- 1896-09-01
- Page
- 426 (sequence 9)
- Language
- German
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426 3m deutschen Reich. Vorkämpfer der Geistesfreiheit und des allgemeinen Wahlrechts, wurde er dann in der Kammer mehr und mehr nach links gedrängt. Bei einer Verhandlung über eine religiöse Frage äußerte er damals unumwunden: „Ich wünschte, daß der Staat alle Sekten zuließe!" Daß er, der ehemalige Legitimist, in seiner mit einem wahren Bienenfleiß gearbeiteten „Geschichte der Girondisten" die Männer der Schreckensherrschaft in großartigen Zügen schilderte, rief bei allen Anhängern der Monarchie die tiefste Entrüstung hervor. Eine gehässige Verleumdung ist aber jedenfalls die Behauptung, der Autor habe dieses revolutionäre Geschichtswerk nur aus Aerger über die Ablehnung eines vom König Ludwig Philipp erbetenen Darlchiis veröffentlicht. Von seiner Geburtsstadt Mücon in die Kammer entsandt, griff Lamartine das Ministerium Guizot immer rücksichtsloser an, bis die Ctnrmzcit des Jahres 1848 hereinbrach. In dieser zeigte er einen persönlichen Muth, welcher seinen damaligen Kollegen in der provisorischen Regierung Frankreichs, Odilon Barrot und Crümieux, die größte Bewunderung einfloßte. Trotzdem wuchs ihm die Bewegung bald über den Kopf; ein Orpheus des politischen Leben«, wußte er die Leidenschaften der Massen durch den einschmeichelnden Wohllaut seiner Siede stet« nur momentan zu beschwichtigen. Zn den bedeutendsten Verdiensten Lamartine's zählt die Aufhebung der Sklaverei in deir französischen Kvloniccn. Immer stellte er sich auf die Seite der Unterdrückten und Wehrlosen; immer war er der Gegner der Gewalt und Rohheit. Einer seiner letzten Kammcrerfolge war die Annahme des von ihm und Louis Blanc gemeinsam gestellten Antrages auf Abschaffung der Todesstrafe. Der Ansturm der Kommunisten und die listigen Ränke de« Prätendenten Louiü Napoleon untergruben seine einflußreiche Stellung in der provisorischen Regierung Frankreichs, auf welche er am 25. Juni 1848 verzichten mußte, als nach heftigen und blutigen Unruhen Cavaignac Chef der exekutiven Gewalt wurde. Der bisherige leitende Staatsmann sah sich gezwungen, sich in einen einfachen Journalisten nmzuwandel», der cs freudig begriißte, als ihm 184<) die beiden Juden Millaud und Mirus die Mittel zur Begründung des billigen Volksblattes „Os ocmsoillsr ciu peuplo“ verschafften. Daneben wirkte Lamartine