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Im deutschen Reich · 1896-09-01 · Heft 9 (September 1896) · p. 424

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
2 (1896)
Issue
Heft 9 (September 1896)
Article
Staatsmann, Dichter und Philosemit
Date
1896-09-01
Page
424 (sequence 7)
Language
German
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424 Im deutschen Reich. Das Buch enthält aber ein einziges köstliches Kapitel „Le livre primitif“, „Die Urbibel", in welchem treffliche Gedanken edelster Duldsamkeit enthalten sind. Es heißt darin: Ihr sollt nicht jene nicht'gen Schranken kennen In Kasten, Mafien, Völker und Nationen, Nennt nicht Barbaren, die euch ferne wohnen, Weil Berge sie und Flüsse von euch trennen. Daß über euch derselbe Vater segnend thronet Bedenkt, und daß ihr unter einem Himmel wohnet! Nicht hinter Wolken euer Auge suchen soll Im uferlosen Meer, nicht hinter lichten Sternen! Wo ist bewohnter Himmelshimmel, Gottes voll? Sucht nicht! Jehova kennt nicht Wohnort und nicht Fernen. Was keinen Körper hat, bedarf des Raumes nicht! Das, was das All durchkreuzt, sucht nicht an einer Stelle! Bewundert mit dem Geist und nicht mit dem Gesicht: Ihn glauben oder nicht, ist Himmel oder Hölle! Es macht Verzeihung, die der Himmel uns gewährt, Barmherzigkeit zur ersten, schönsten unsrer Pflichten. Der Mensch ist sie dem Bruder schuldig, sich und ehrt Ihn, der allein das Recht zu strafen und zu richten. Rachsucht und Jrrthum nur die Strafen nöthig findet. Aus Gnade ist die Welt, nicht nur auf Recht gegründet! Unter den Eindruck der großartigen Erinnerungen der Morgenland-Fahrt schrieb Lamartine auch sein berühmtes Gedicht „Jehova oder der Gottesgedanke". Dabei schwebte ihm wahrlich nicht der von den deutschen Nasseanüsemiten Hans von Mosch und Konsorten als angeblicher „jüdischer Nationalgott" gelästerte „Jahveh" vor, sondern der Vater aller Menschen, der Schöpfer und Wohlthäter des Weltalls, welcher sich Mose und seinem Volke offenbart hatte. Er schildert die Offenbarung in folgenden Versen: Sinai, um deine Spitze, Welche furchtbar tiefe Nacht! Rings in greller Feuerpracht Zucken um dich grelle Blitze. Um den Berg in hohen Wogen Rollend gleich dem Meeresleuchten Ziehn die Nebel rings, die feuchten, Einen blutig rothen Bogen! Die Gluth vermehrt Rings ihren Herd Und es entbrennt Wie Flammenbucht

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