Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 2 (1896)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1896)
- Article
- Berlin
- Date
- 1896-07-01
- Page
- 395 (sequence 3)
- Language
- German
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Korrespondenzen. 395 Debatte beschlossen, einer Petition an das preußische Kultusministerium Folgendes zu Grunde zu legen: „1. Die Gemeindeverwaltungen sind zu veranlassen, die Ansetzung des jüdischen Religionsunterrichts an allen Anstalten, an welchen eine ausreichende Zahl jüdischer Schüler ist, als integrirenden Bestandtheil des Lehrplanes zu beantragen. 2. Die Direktoren und Rektoren der Schulen sind durch die Vorgesetzte Behörde daraus hinzuweisen, daß sie diesen Unterricht im Sinne der Ministerialverfügung vom April 1875 beaufsichtigen und nur dann von demselben dispensiren, wenn nachgewiesen ist, daß ein anderer ausreichender Unterricht in der jüdischen Religion den vispensirten Schülern ertheilt wird. 3. Die Lehrer, welchen der Religionsunterricht übertragen wird, sollen entweder dem Lehrkörper als definitiv angestellt zugehören, oder, wo das nicht angängig ist, Rabbiner oder staatlich geprüfte Lehrer sein. 4. Der jüdische Religionsunterricht soll in unmittelbarem Anschluß an die lehrplanmäßigen Stunden ertheilt werden. 5. Die Ausstellung von Zeugnissen in der jüdischen Religion hat sich auch auf die Reifezeugnisse zu erstrecken." Dem vor Kurzenl nach Berlin übergesiedelten früheren Vorsteher der Synagogengemeinde Oels i. Schl., Kgl. Landmesser Mendelssohn, ist der Charakter eines Königlichen Rechnungsraths verliehen worden. Ueber das Vehmgericht, welches am 16. Juli im „Deutschen Wirthshause" in der Friedrichstraße stattfinden sollte, berichtete ein hiesiges Blatt: „Der Verband deutsch-liberaler Antisemiten hatte für den Abend das folgende erschütternde Programm aufgestellt: 1. Das chinesische Bauchrutschen als Ansteckungsgefahr für Deutschland. 2. Enthüllungen eines Schloßphonographen über die wahren Schuldigen am Falle Kotze-Friedmann und am Scheitern der Berlepsch'schen Handwerkervorlage. 3. Der fraktionelle antisemitische Eiertanz, Miquel's neueste Häutung und das christlichsozial-katholisch-jüdische Versicherungsgeschäft für heiraths- und adelsbedürftige Hebräerinnen." — Um halb neun Uhr sollte das Vehmgericht seinen Anfang nehmen. Punkt halb neun Uhr hatte sich der Schreiber dieser Zeilen im „Deutschen Wirthshause" eingesunden und einen Kellner gebeten, ihm den Versammlungsraum zu zeigen. „Das dritte Zimmer," war die Antwort, „aber es ist noch leer." Wir sagten uns, daß auch ein Vehmgericht nicht unter allen Umständen pünktlich sein müsie, und nahmen im Gastzimmer Platz. Um neun Uhr machten mir dann den Versuch, in die geheimen Räume des Vehmgerichts vorzudringen. Er mißlang, das Zimmer war dunkel. Wenn nun auch Vehmgerichte