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Im deutschen Reich · 1896-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1896) · p. 389

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
2 (1896)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1896)
Article
Umschau
Date
1896-07-01
Page
389 (sequence 3)
Language
German
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Umschau. 889 Richterstand ohne ernstliche Gefährdung des Ansehens und Vertrauens der Bevölkerung nur einen geringen Bruchtheil jüdischer Richter vertrage." Könnte etwas das Ansehen und Vertrauen des preußischen Richterstandes gefährden, so würde dies höchstens.die blöde Schimpferei derantisemitischen Blätter über das angebliche „jüdisch-römische Recht" und die Verdächtigung jedes Gerichtshofes sein, der einen von Juden stammenden Angeklagten freispricht oder einen judenfeindlichen Gesetzesverächter verurtheilt. Während die Reichsregierung den entschiedenen Wunsch zu erkennen gab, das Bürg erlich ^Gesetzbuch noch in dieser Reichstags-Session unter Dach und Fach zu bringen, Haben die antisemitischen Abgeordneten alle Hebel in Bewegung gesetzt, dies zu verhindern. Der Abgeordnete Vielhaben erklärte sich entschieden gegen die Fertigstellung der Vorlage, da nach seiner Behauptung das deutsche Volk dieser Ueberhastung das größte Mißtrauen entgegenbringe. Dem Abg. Liebermann von Sonnenberg, der von einem „Durchpeitschen" des Bürgerlichen Gesetzbuchs sprach, erwiderte der Abg. Bachem vom Centrum, bei einer so ruhigen und sachlichen Behandlung könne von einem Durchpeitschen keine Rede sein. Das von der Centrumspartei bewiesene volle Verständniß für das große nationale Werk der Rechtseinheit machte glücklicher Weise die Obstruktionspolitik der Antisemiten wirkungslos, weshalb sich diese zu kränkenden Insinuationen gegen das Centrum veranlaßt fühlten. So schrieb auch u. A. das Zimmermann'sche Organ: „Das Centrum, das dem zu erwartenden Ordenssegen in des Wortes doppelter Bedeutung spannend entgegensieht, ist von einem Entgegenkommen und einem „Patriotismus" beseelt, wie wie man es bei dieser sonst so bockbeinigen Fraktion wohl selten erlebt hat." Die Versuche des antisemitischen Abgeordneten Jskraut, die weiteren Verhandlungen durch Anzweiflung der Beschlußfähigkeit des Hauses zu verhindern, wurden durch das Präsidium vereitelt. Aus Aerger darüber hat ein Parteigenosse des Pastors Jskraut, der hessische Abgeordnete O t t o H i r s ch e l die Aufforderung des Reichstagspräsidenten an die Mitglieder des Hauses, sich zur Berathnng des Bürgerlichen Gesetzbuches möglichst zahlreich einzufinden, mit einer Erklärung beantwortet, in der er u. A. sagt: „Dem Präsidium des Reichstages hat es gefallen, die Anwesenheit von 205 Hüten in der Garderobe als hinreichend für die Beschlußfähigkeit der Vertretung des deutschen Volkes zu erachten. Falls das hohe Präsidium glaubt, daß damit das „große nationale Werk" gefördert werde, so bin ich gern bereit, ihm entgegen zu kommen und eine Anzahl 26

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