Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 2 (1896)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1896)
- Article
- Umschau
- Date
- 1896-07-01
- Page
- 390 (sequence 4)
- Language
- German
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390 3m deutschen Reich. alter Hüte nach Berlin zu senden." Ihren Beruf zur Mitwirkung an der Gesetzgebung haben die Antisemiten glänzend bewiesen! Wie auf anderen Gebieten, so suchten auch in einer an sich unbedeutenden Angelegenheit auf dem Gebiete der P o st Verwaltung die Antisemiten im Reichstage sich als die alleinigen Schützer deutschen Rechtsgefühls aufzuspielen. In einer von ihnen eingebrachten Interpellation behaupteten dieselben, daß der von dem englischen Korrespondenten Bashford am 10. Mai beleidigte Telegraphenbeamte Kayser durch Einwirkung des Staatssekretärs im Reichspostamt veranlaßt worden sei, auf eine strafrechtliche Verfolgung zu verzichten, und daß dem Beleidiger nur eine Geldbuße von 100 M. und mündliche Entschuldigung auferlegt worden sei. Nach der Begründung der Interpellation durch den Abg. Liebermann von Sonnenberg bestritt der Staatssekretär von Stephan die Richtigkeit der Darstellungen des Vorredners und erklärte dann unter allgemeiner Heiterkeit, „die Angaben untergeordneter Zeitungen, deren Lesens sich nur ein Theil des Leserpublikums schuldig macht, sind in wesentlichen Punkten übertrieben." Die Art, wie sich die antisemitischen Abgeordneten als Beschützer eines deutschen Postbeamten aufspielen, hat jedenfalls selbst viele derjenigen peinlich berührt, welche dem englischen Zeitungsberichterstatter eine schwerere Buße gegönnt hätten. Die „Tägl. Rundschau" bekannte offen, daß dadurch die Sache verfahren wurde. Sie schrieb: „Es genügte, daß es die Antisemiten waren, die zufällig die Angelegenheit in die Hand genommen halten, und dieser Umstand gab nun allein den Ausschlag, um eine Art von parlamentarischem Boykott in Szene zu setzen." Da die Antisemiten ohne Weiteres jeden, der sich mißliebig macht, zum Juden stempeln, konnte Bashford diesem Schicksal nicht entgehen. Die „Hann. Post" schrieb vom „Juden" Bashford, trotzdem der letztere von christlichen Eltern stammt und mit einer vor einigen Jahren verstorbenen Nichte des früheren preußischen Kriegsministers von Kamecke verheirathet war! Der „Deutsche General-Anzeiger" brachte eine scharfe Verurteilung des milden Vorgehens gegen Bashford unter der den Staatssekretär beleidigenden Ueberschrift: „Der „wackere" Schutzherr seiner Beamten". Seltsam genug muß es den Staatssekretär berühren, daß ihm die antisemitischen Abgeordneten diese Schutzherrschaft streitig machen. Dem Abg. Werner, der im Namen der Neformpartei für eine Besserstellung der Postbeamten eintrat, soll eine mit vielen Unterschriften versehene Dankadresse zugegangen sein, die mit