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Im deutschen Reich · 1896-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1896) · p. 385

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
2 (1896)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1896)
Article
Historische Methode
Date
1896-07-01
Page
385 (sequence 4)
Language
German
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Historische Methode. 385 dämmen, er kann ja nichts dafür, er ist nun einmal nicht anders, auS seiner Haut kann Niemand hinaus. Deshalb ist es lächerlich, die Juden den andern Völkern conational machen zu wollen, sie sind kraft ihrer Anlagen und ihres eigenen Empfindens eine Nation für sich. Während hierin großes Wohlwollen sich ausspricht, weiß Herr Nübling, wo es von Nöthen, auch den Manneston.sittlichen Zornes zu finden. Er ist darüber empört, daß christliche Regierungen den Juden die Benennung „Israeliten" zu Deutsch „Gotteskämpfer" zugestehen; er meint, darin läge eine Kränkung der anderen Bekenntnisse und —-rver's räth, kriegt 'neu Groscheneine Verletzung der Parität! Der Fleiß des Verfassers ist staunenswerth, beinahe so staunenswerth wie seine Kritiklosigkeit. Er führt nicht nur Thatsachen an, sondern jedes Gerücht, dessen er habhaft wird, so auf acht Seiten (165—173) alle Blutbeschuldigungen, ferner jeden Vorwurf einer Hostienschändung, der Besudelung von Fleisch, das an Nichtjuden verkauft wurde, u. s. w. Zum Schluß gesteht der Verfasser dann in zwei Zeilen, man könne freilich nicht wissen, was daran Wahres sei; dem Historiker der Zukunft ist hierdurch ein werthvoller Fingerzeig, für die Behandlung der Prozesse von Tisza-Eslar und Xanten gegeben. Es wird als keineswegs unwahrscheinlich bezeichnet, daß die Juden zuv Zeit des schwarzen Todes wirklich die Brunnen vergiftet haben; bei dieser Gelegenheit belehrt uns Herr Nübling im Vorbeigehen daß sich damals die Mediziner in zwei Lager, Lokalisten und Kontagionisten, getheilt haben! Wohl verstanden, es ist vom Jahre 1348 die Rede, nicht etwa von der Hamburger Cholera-Epidemie und den Herren. Koch und Pettenkofer. Ueberhaupt was so Herr Nübling nur im Vorbeigehen aus dem Füllhorn seines Wissens ausschüttet, und wie er die Dinge zu rubriziren weiß! Er erzählt die bekannte Geschichte, Otto II. wäre in der Schlacht bei Cotrone durch den Juden Kalonymos gerettet worden, der dem Kaiser in der höchsten Noth sein Pferd gab. Diese Historie wird zum Nachweis der Thätigkeit der Juden als Armeelieferanten herangezogen! Es ist wundersam, daß ein so grundgelehrter Mann wie Herr Nübling, sich die Gelegenheit entgehen läßt, an einem nahe liegenden Beispiel zu zeigen, wie schlecht gekrönte Häupter fahren, wenn sie es verabsäumen, sich rechtzeitig mit jüdischen Pferdehändlern in Verbindung zu setzen. Hätte Richard III. die Klugheit Kaiser Otto's II. oder die historischen Kenntnisse des Herrn Nübling besessen, so wäre er wohl schwerlich in die bedauerliche Lage

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