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Im deutschen Reich · 1896-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1896) · p. 376

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
2 (1896)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1896)
Article
Die Judenverfolgungen zur Zeit des ersten Kreuzzuges
Date
1896-07-01
Page
376 (sequence 30)
Language
German
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376 3m deutschen Reich. Kunde, die der Vorsteher der Speyrer Gemeinde, Moses den Jekusiel, der aus dem Geschlecht des Kalonymos stammte, ihnen brachte/") er habe dem aus Italien zurückgekehrten Kaiser Heinrich die traurige Lage der gewaltsam Getauften berichtet, und Heinrich habe alsbald einen Befehl erlassen/") daß Niemand die gewaltsam Getauften hindem möge, zu ihrem alten Glauben zurückzukehren. Mit wenigen Ausnahmen schüttelten alle Juden sofort das verhaßte Bekenntniß ab, und die Bürger in den Städten fanden diesen Massenrücksall selbst ganz natürlich — sie hatten ja gesehen, wie nur der Zwang die Juden zur Taufe veranlaßt hatte. Dagegen wandten sich in mehreren Orten die Juden, die auch in der Stunde der Gefahr ihren Glauben sich bewahrt hatten, gegen die Feiglinge und Verräther, wie sie sie nannten und wollten keinesfalls sie als Glaubensbrüder anerkennen, weigerten sich vielmehr, mit ihnen zu beten und zu leben und zu ihnen in freuudschaftliche oder verwandtschaftliche Beziehungen zu treten. Kein Geringerer als R. Salomo ben Jsaac, der unter dem Namen „Raschi" hochberühmte Mann, trat für die Armen ein: „Ferne sei es von uns," so schrieb er,71) „uns von den Zurückgebliebenen abzusondern und sie zu beschämen! Alles, was sie gethan haben, geschah aus Furcht vor dem Schwert, und sie hatten nichts Eiligeres zu thun, als zum Judenthum zurückzukehren!" Diese Aeußerung des wegen seiner Kenntniß und Weisheit schon bei seinen Lebzeiten hochgefeierten Mannes besänftigte endlich die Zornigen, und bald begann man an den verwüsteten Stellen zur Gründung einer Gemeinde und zum Bau eines Gotteshauses, als des sichtbaren Mittelpunktes der religiösen Gemeinschaft, zu schreiten. Die Kunde, daß die getauften Juden wieder vom Christenthum abgefallen waren, kam natürlich zu den Ohren des Papstes Clemens III.; sofort erließ dieser eine scharfe Bulle gegen diese unerhörte That und forderte die Bischöfe auf, mit allen Mitteln dagegen einzuschreiten.72) Aber der Kaiser nahm die Juden kräftig in seinen Schutz, und so verhallte der Befehl des Papstes 6y) Mainzer Anonymus a. a. O. p. 48 und 171. 70) Ekkeh. chron. a. a. O. 6, 206. Mob. Germ, Deutsche Chroniken 2, 181. 71) vgl. Grätz 6, 114. 7-) Jaffe, regesta pontificum Nr. 5336 (4011). Reg. Nr. 204, p. 94.

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