Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 2 (1896)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1896)
- Article
- Die Judenverfolgungen zur Zeit des ersten Kreuzzuges
- Date
- 1896-07-01
- Page
- 375 (sequence 29)
- Language
- German
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Die Judenverfolgungen zur Zeit des ersten Areuzzuges/ 375 in die Kirche geschleppt, die Widerstrebenden grausam gemartert oder getödtet. Aber die Getauften kehrten auch hier bald nach dem Weiterzug Volkmar's — zum alten Glauben zurück. Von allen Bedrängern der Juden ereilte Volkmar zuerst die gebührende Strafe für seinen frechen Uebermuth und seine Grausamkeit; fast seine gesammte Schaar wurde bald darauf bei Neutra von den Ungam niedergemacht. Den wilden Pilgerhaufen folgt das geordnete Kreuzesheer unter Führung Gottfried's von Bouillon, der seinen Schwur, die Juden zu schützen, getreulich hält; leider findet er nur hier und da noch versprengte Reste, denen er den Schutz zuwenden kann: Vernichtet sind die blühenden Gemeinden am Rhein, gegen 6000 Menschen (die in den Quellen"') angegebene Zahl von 12000 ist nach Abwägung aller Einzelheiten ebenso übertrieben, wie die von Aronius^) angenommene Zahl von 4000 zu gering bemessen ist) sind in wenigen Wochen des Glaubens wegen getödtet oder haben sich selbst dahingeopfert, um nicht zur Annahme des ihnen verhaßten Bekenntniffes gezwungen zu werden. Eine furchtbare Zeit durchlebten Diejenigen, die, durch die Macht der Verhältnisse gezwungen, oder aus Liebe zu ihren Kindern scheinbar das Christenthum angenommen hatten. Fortdauernd peinigte sie das quälende Bewußtsein, eine schwere Schuld auf sich geladen zu haben; jedesmal, wenn sie des äußeren Scheines wegen eine Kirche besuchen mußten, ergriff sie große Angst vor Gottes Strafe. Ihn suchten sie zu versöhnen durch inbrünstiges Gebet und öfteres Kasteien in ihren Häusern, und indem sie woniöglich noch strenger wie früher auf die Gebote achteten, die Speise und Trank betreffen. Dabei waren sie in fortdauernder Sorge um ihr und der Ihrigen Leben: Wie leicht konnten durch eine Anzeige, daß sie nur rituell zubereitete Speisen äßen, daß sie wie vordem zu Hause beim Gebet Riemen und Gebetmantel anlegten, daß sie am Sabbath keinerlei Arbeit verrichteten, die argwöhnisch beobachtenden Nachbarn zu Heller Wuth entflammt werden! Wie zu einem neuen Leben erwachten sie deshalb bei der 07) Ottonis Frisingensis ciiron. lib. 7 in Mon. Germ. 20,249. Ekkehardi chron.* in Mon. Germ. 6, 215. d8) Reg. S. 82.