Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 2 (1896)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1896)
- Article
- Die Judenverfolgungen zur Zeit des ersten Kreuzzuges
- Date
- 1896-07-01
- Page
- 374 (sequence 28)
- Language
- German
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374 Im deutschen Reich. kenntniß. Kaum hatten sich hinter den Kreuzfahrern die Stadtthore geschloffen, so kehrten die Juden wieder zum früheren Glauben zurück, nachdem sie zuvor, wie der Berichterstatter meldet, wahrhafte Buße gethan hatten. Von der Feigheit der Regensburger Juden hebt sich rühmlich die tapfere That ihrer Glaubensgenoffen in einer anderen an der Donau gelegenen Stadt ab, bereu Name uns leider nur in verstümmelter Form überliefert ift.65) Als die Kreuzfahrer, denen sich die Bürger der Stadt zugesellt hatten, von den Juden die Taufe forderten und sie, falls sie sich weigerten, auch hier auf das Ende ihrer Brüder am Rhein hinwiesen, erbaten sich die Juden zum Schein drei Tage Bedenkzeit. Insgeheim aber rüsteten sie 500 tapfere Männer aus ihrer Mitte und sandten an den Herzog um Hülfe. Auf die Nachricht, daß er ihnen 1000 gepanzerte Reiter zum Schutz sende, verließen die 500 im Dunkel der Nacht die Stadt, vereinigten sich mit den Hülfstruppen und übersielen die ahnungslosen Kreuzfahrer, die unter großen Verlusten flohen. Von den Juden waren in dem Kampfe nur sechs gefallen. Alle Juden zogen sodann, bis sich die Gemüther der Bürger beruhigt hatten und sämmtliche Kreuzesschaaren vorbeigezogcn waren, in ein sicheres Dorf jenseits der Donau, von wo sie nach einiger Zeit in die Stadt zurückkehrten. Die meisten der dem Hauptheer voranziehenden Schaaren nahmen den Weg durch Regensburg, die Donau entlang nach Ungarn; nur Volkmar, dessen Greuelthaten in Metz, Trier und Mainz für die später entstandenen Haufen vorbildlich geworden waren, zog durch das Herzogthum Sachsen und von da durch die Elbpässe nach Böhmen. Nach dem Bericht des Prager Dekans Cosmas im 3. Buche seiner Chronik") bedrängte Volkmar auch die Juden in Böhmen auf die furchtbarste Weise; leider war Niemand im Land, der seinem Treiben energisch entgegentreten konnte; der Herzog Bretislav weilte im Kamps gegen die Polen außerhalb des Landes, und der Bischof, der — wie der Berichterstatter — den Namen Cosmas führte, hatte zu wenig Auiorität im Lande. So wurden denn die Juden mit Gewalt zur Tause °°) vgl. Quellen a. a. O. p. 137, A. 277. oa) G’osmae ehronicon Boemorum lib. 3 in Mou. Germ. 9,104.