Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 2 (1896)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1896)
- Article
- Die Judenverfolgungen zur Zeit des ersten Kreuzzuges
- Date
- 1896-07-01
- Page
- 373 (sequence 27)
- Language
- German
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Die Judenverfolgungen zur Zeit des ersten Rreuzzuges. S7S schnell als möglich die Bedränger los werden." Die unter solchen Umständen Uebergetretenen benutzten natürlich, wie bereits angedeutet, die erste Gelegenheit, das ihnen aufgedrungene Bekenntniß wieder abzuschütteln; nur MicheaS, den der Erzbischof selbst getauft und durch Beilegung seines eigenen Namens ausgezeichnet hatte, kehrte, von Eitelkeit geblendet, nicht zum alten Glauben zurück. Der Rath des MicheaS fand indeß nicht allgemeinen Beifall; einige beschlossen, auf jede Weise lieber ihrem Leben ein Ende zu bereiten, als daß sie vom Glauben der Ahnen ließen. Freilich war die an anderen Orten übliche gemeinschaftliche Tödtung hier ausgeschlossen, da der vorsorgliche Erzbischof die Wassercisternen der Pfalz hatte verschließen und den Juden die Messer hatte wegnehmen lassen; auch gestattete man ihnen nicht, die Mauem zu besteigen und hielt sie auf Befehl Egilbett's in fortdauernder Beobachtung. Dennoch gelang es einigen Wenigen, während der Verhandlungen des MicheaS mit dem Erzbischof, durch Bestechung oder auf andere Weise aus der Pfalz zu fliehen und sich dann zu tödten. In den Fluthen der Mosel suchten und fanden eine Frau Esther, die Tochter des Vorstehers Chiskija und drei Jungfrauen, von denen zwei aus Köln waren, das ersehnte Ende, und auch der Trierer Annalist berichtet von furchtbaren Szenen, wie Eltern zuerst ihre Kinder tödteten und in's Wasser warfen und nachher sich selbst mit Steinen beschwerten und in den Fluthen untersanken. Nachdem die einzelnen Haufen fast sämmtliche Gemeinden am Rhein vernichtet hatten, waren zur Befriedigung ihrer Raub- und Mordgier und ihres Fanatismus nur noch die wenigen Gemeinden an der Donau vorhanden. Beim Herannahen der Rotten mahnten die Bürger von Regens bürg, die mit den Juden in inniger Eintracht gelebt hatten, diese, unter Hinweis auf das furchtbare Ende ihrer rheinischen Glaubensgenossen, zur Taufe, und die Juden, die nichts von dem Heldengeist der rheinischen Brüder besaßen, willigten, damit ihr Leben gesichert bleibe, ein. Alle Juden mußten nun zu gleicher Zeit in die Donau steigen; dort machte Jemand — wahrscheinlich ein Priester — das Zeichen des Kreuzes über sie, und damit war die Ceremonie zu Ende. Aber nicht viel länger währte auch ihre Zugehörigkeit zum neuen Be-