Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 2 (1896)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1896)
- Article
- Die Judenverfolgungen zur Zeit des ersten Kreuzzuges
- Date
- 1896-07-01
- Page
- 372 (sequence 26)
- Language
- German
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372 Im deutschen Reich. zu muffen: Er befahl, einen der angesehensten unter den Trierer Juden, der Gemeinderechner Mar Ascher bar Joseph, den Feinden auszuliefern. Bereit, für den einzigen Gott sein Leben dahinzugeben, ließ ‘ sich Mar Ascher willig fortführen; seiner Aufforderung, ihm nachzufolgen, kam ein Knabe Meir bar Samuel und ein wegen seiner Frömmigkeit und Gerechtigkeit allgemein geachteter Mann, Abraham bar Jomtob, nach. Als sie zu dem Feinde herauskamen, hielt man ihnen das Kruzifix vor die Augen mit der Aufforderung, vor demselben niederzuknien; auf ihre standhafte Weigerung wurden sie von der wüthenden Schaar erschlagen. Der Tod dieser Edlen bestärkte aber noch die Zurückgebliebenen in ihrer Treue zum Glauben. Da meinte Jemand aus der Umgebung des Erzbischofs, daß nur die Frauen die Männer am Glauben festhielten; er rathe, die Frauen mit den Kindern gewaltsam in die Kirche zu bringen und zu taufen. Der Erzbischof willigte ein, und so schleppte man denn die Armen in die Kirche und zwang sie, dort niederzuknien. Und in der That erreichte der Erzbischof auf diesem Wege — für den Augenblick wenigstens — seine Absicht. Schlimmer als der Tod war für die meisten der zurückgebliebenen Männer das Bewußtsein, daß ihre Nachkommen nicht mehr dem Glauben angehören sollten, um deffentwillen sie bisher so viele Leiden erduldet hatten — sie beschlossen, zum Schein das Christenthum anzunehmen, bei der ersten Gelegenheit aber zum wahren Glauben zurückzukehren. Ein tüchtiger Redner und Gelehrter aus ihrer Mitte, Micheas, begab sich zum Erzbischof und erklärte, die Juden hätten nun erkannt, daß er wahr gesprochen habe; es sei besser, den christlichen Glauben anzunehmen, als weiter so unaussprechliche Gefahr für Leib und Leben auszustehen: „Also sage uns," fuhr er fort, „was wir zu glauben haben, und befreie uns von der Wuth der Gegner." Der erfreute Erzbischof hielt den Juden sofort eine große Bekehrungspredigt, die der Trierer Berichterstatter, der wahrscheinlich aus der Umgebung des Erzbischofs stammt, wörtlich mittheilt — in seiner Einfalt berichtet er auch die charakteristische Antwort des Micheas: „Es sei, ich entsage dem jüdischen Glauben; zwar sehe ich noch Vieles nicht ein, ich will mich aber bemühen, es in der Zeit der Ruhe verstehen zu lernen — vorläufig taufe mich und die Anderen schleunigst, damit wir so