Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 2 (1896)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1896)
- Article
- Die Judenverfolgungen zur Zeit des ersten Kreuzzuges
- Date
- 1896-07-01
- Page
- 371 (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2316602-2316611-2316619-2318859--01310-2318973- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Die Judenverfolgungen zur Zeit des ersten Rreuzzuges. 371 an sein Versprechen erinnert werden!") In der Pfingstwoche kam auS der ganzen Umgegend eine große Schaar zu dem stets stark besuchten Pfingstmarkt nach Trier. Unter ihr befand sich auch ein beträchtlicher Theil des Gesindels, das vordem unter Volkmar nach Herzenslust geraubt und geplündert hatte; diese Rotte rühmte sich jetzt noch laut ihrer That und stachelte die Bevölkerung gegen die Juden auf. Angesichts der großen Gährung, die bald das Volk ergriff, beschloß der Erzbischof, alle Juden in seine stark befestigte Pfalz aufzunehmen, die unbedingte Sicherheit bot, und sodann in der ersten Predigt in der Domkirche die Leute eindringlich vor jeder bösen That zu warnen. Aber mitten in seiner Predigt drang die wüste Schaar, deren Hoffnung auf Raub durch die Rede des Erzbischofs vereitelt zu werden drohte, auf Egilbert ein, der Erzbischof mußte flüchten und sich 15 Tage in einem abgelegenen Gemach der Domkirche vor der wüthenden Horde verborgen halten. Da es den Feinden nicht gelang, des Bischofs oder der Juden habhaft zu werden, belagerten sie in weitem Umkreise die erzbischöfliche Pfalz. Egilbert hielt bald selbst eine Rettung der Juden für unmöglich und suchte wenigstens ihr Leben zu erhalten, indem er ihnen in längerer Rede die Aussichtslosigkeit ihrer Lage auseinandersetzte, die weder er. noch selbst der König, wenn er im Lande wäre, ändern könne. „Schon sind," so mahnte er, „in der ganzen Umgebung die Juden getödtet worden; erkennet doch selbst, daß Euer Gott Euch jetzt nickt retten will, wie er es in früheren Tagen gethan hat; sehet die große Schaar, die vor dem Thore der Pfalz steht — also folget meiner Bitte und meinem Rath und laßt Euch bekehren und taufen, ich will mich dann weiter für Euer Wohl und Euren Besitz verbürgen und Euch auch ferner schützen." Aber wie aus einem Munde scholl ihm der Ruf entgegen: „Wiffe, wenn ein Jeder von uns zehn Seelen hätte, so würden wir sie eher für die Einheit Gottes hingeben, als daß wir uns durch die Taufe verunreinigten." Dasselbe Mittel, deffen der Graf in Mörs sich bedient hatte, um die Juden, zur Taufe zu zwingen, glaubte der Erzbischof nunmehr gleichfalls anwenden ®4) Für das Nachfolgende vg*. den Bericht der gesta Trevirorum in Mon. Germ. 8, 190 f. und den Salomo bar Simeon's a. a. O- S. 26 und 132 ff.