Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 2 (1896)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1896)
- Article
- Die Judenverfolgungen zur Zeit des ersten Kreuzzuges
- Date
- 1896-07-01
- Page
- 370 (sequence 24)
- Language
- German
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370 3m deutschen Reich. ihnen, er habe nur sein Glaubensbekenntniß laut gerufen; voll Zorn warfen sie wieder die Erde auf ihn und gingen hinweg; noch lange Zeit erscholl der Ruf „Höre Israel" des glaubensstarken Mannes aus der Tiefe des Grabes, bis er immer schwächer und schwächer wurde und endlich erstarb. Die Hochherzigkeit des Kölner Erzbischofs hatte, wie eben gezeigt, nur die Leiden der Armen noch verlängert; in fast allen Orten, in die sie der Erzbischof hatte schaffen lassen, spürte sie die wüthende Biente auf und bereitete ihnen ein furchtbares Ende. Verhältnißmäßig am besten kamen die in Kerpen weilenden Juden fort. Hier begnügten sich die Kreuzfahrer mit der körperlichen Mißhandlung der „Starrsinnigen" und mit der gewaltsamen Taufe einiger; dafür mußten die Armen aber furchtbar unter dem frechen Hohn des Vogtes leiden. In ihrer Gegenwart befahl er seinen Knechten, von dem Judenkirchhof zu Köln die Grabsteine zu holen, er wolle sich aus diesen Steinen ein Haus bauen! Zu ihrem unaussprechlichen Schmerz mußten die Juden die frevelhafte Entweihung des Ortes des Friedens dulden — da trat der gerechte Gott selbst, wie Salomo Simeon berichtet,"") als eifernder Rächer der Unterdrückten auf. Beim Heraufziehen eines Steines riß das Tau, der Stein fiel auf des Vogtes Kopf und zerschmetterte ihn auf der Stelle. Bis nach Geldern, der nördlichsten Stadt Deutschlands, in der Juden wohnten, eilten die Rasenden. Auch hier wurden die Juden mißhandelt, Hab und Gut ihnen geraubt, und Niemand war da, wie Elieser bar Nathan klagt,^) der sie aus der Hand der Feinde rettete: „Darum weine ich, mein Aug', mein Aug , zerfließt in Thränen." Ebenso wohlgesinnt wie der Kölner Erzbischof war den Juden — wie bereits früher erwähnt — der Erzbischof Egllbert von Trier; wäre er bei dem ersten Ansturm der wilden Schaar nicht zufällig von Trier abwesend gewesen, nie wäre die Schändung der Thora und die Beraubung der Juden möglich gewesen! Auf ihn setzten auch weiter die Juden in Trier ihre Hoffnung, und er versprach ihnen ausdrücklich feinen Schutz. Er sollte allzubald “-) a. a. O. p. 25 und 131. ,J3) a. a. O. p. 44 und 165.