Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 2 (1896)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1896)
- Article
- Die Judenverfolgungen zur Zeit des ersten Kreuzzuges
- Date
- 1896-07-01
- Page
- 369 (sequence 23)
- Language
- German
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369 Die Judenverfolgungen zur Zeit des ersten Rreuzzuges. einem Knaben das Leben, da erhob sich die andere, vom Fieber durchglüht, und forderte die Wöchnerin auf, mit ihr dem Leben des Neugeborenen und der Dienerin ein Ende zu bereiten, da beide sonst in dem fremden Glauben erzogen werden würden. Die arme Mutter, der das tosende Schreien der Feinde an das Ohr drang, sah im Geiste schon ihr Kind von ihrer Seite geriflen. Sie erhob sich, beide Frauen ergriffen zuerst das Mädchen und schlachteten es, dann packten sie den Neugeborenen in eine Wiege und warfen sie mit dem Aufgebot ihrer letzten Kräfte von der Höhe des Hauses herunter. Sie selbst ließen sich am andern Morgen mit den Uebrigen ohne Widerstand zu dem Pöbel schleppen, der die Juden tödtete oder gewaltsam taufte. Nur einer Familie gelang es, aus der Burg zu entfliehen. Mar Schemarja hatte dem Schatzmeister des Bischofs für seine und der Seinigen Rettung eine große Summe Geldes geboten, und der habgierige Diener brachte in der Nacht nach der Ankunft der Kreuzfahrer Schemarja, dessen Frau und drei Söhne sicher aus der Stadt und führte sie sechs Wochen lang im Walde herum, um von ihnen weiteres Geld zu erpressen. Als er endlich merkte, daß Schemarja's ganzes Vermögen in seinen Händen war, redete er den armen Flüchtlingen vor, sie zu „guten Leuten" nach „Teirmunia“ zu führen. Die „guten Leute" entpuppten sich aber bald als erbitterte Feinde der Juden, und, überdrüssig des Lebens, beschloß die gehetzte Familie zu sterben. In der Nacht tödtete Schemarja seine Söhne und seine Frau, war aber vor Aufregung zu schwach, sich auch selbst zu schlachten, sondern verwundete sich nur leicht. Die Wirthsleute, die ihre Absicht, die Armen zur Taufe zu zwingen, vereitelt sahen, forderten mit den übrigen Bewohnern des Ortes Schemarja auf, sich taufen zu lassen — dann solle ihm seine That verziehen werden, anderenfalls solle er lebendig neben den Tobten begraben werden. „Davor behüte mich Gott," rief ihnen Schemarja zu, „daß ich wegen eines tobten Wesens den lebendigen Gott verleugnen sollte!" Da warfen die Feinde eine große Grube auf, und Schemarja ging freiwillig hinein und legte seine theuren Tobten um sich. Als die Grube zugeschüttet war, hörte man Schemarja schreien. Die Leute glaubten, er habe nun die Absicht, sich taufen - zu lassen und schaufelten eilends die aufgeworfene Erde weg. Aber Scbemarja erklärte