Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 2 (1896)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1896)
- Article
- Die Judenverfolgungen zur Zeit des ersten Kreuzzuges
- Date
- 1896-07-01
- Page
- 368 (sequence 22)
- Language
- German
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368 3nt deutschen Reich. Rabbi und forderte die zum Tode bereite Schaar auf, laut einzustimmen in das erhabene Bekenntniß: „Höre, Israel, der Ewige ist unser Gott, der Ewige ist einzig" — und nun begann da» gegenseitige Dahinschlachten. Aber noch bevor Alle getödtet waren, drangen die Feinde in den Thurm ein — der grause Anblick, der sich ihnen darbot, bannte selbst ihre bestialische Wuth, entsetzt blieben sie am Eingang stehen. Diesen Moment benutzten die wenigen Uebriggebliebenen zur Flucht. Als die Rotte Xanten wieder verlaffen hatte, kehrten die so wunderbar Erretteten sofort zurück, um dem Gebote gemäß die edlen Dahingegangenen zu begraben. Zwei Tage später, am letzten Tage des Monats Juni, gelangte der eine Haufe nach Mörs und umlagerte die feste Stadt. Der Graf, der in Mors seinen Sitz hatte, war den Juden freundlich gesinnt und glaubte zuerst im Wege gütlichen Zuredens den fanatischen Haufen zum Wegzugs bewegen zu können. Aber drohend scholl ihm der Ruf entgegen : „Entweder Du giebst die Juden heraus, oder wir stürmen und zerstören Burg und Stadt". Da ersuchte der Graf die Kreuzfahrer, sich noch einen Tag zu gedulden, er wolle die Juden inzwischen zur Taufe veranlassen. In einer warmen Ansprache stellte er seinen Schützlingen vor, wie er sein Versprechen, sie zu schirmen, bisher gehalten habe, wie aber jetzt eine weitere Hut für ihn unmöglich sei, da sonst die Stadt und Burg, die er vor Allem zu schützen hätte, zerstört werden würden; die einzige Rettung für die Armen sehe er nur in der Taufe. Aber einmüthig erklärten die Juden, lieber sterben zu wollen als diesen Schritt zu thun. Da versuchte der Graf auf andere Weise sie zum Aufgeben ihres Glaubens zu bewegen. Er ließ sie aus der Stadt führen, zeigte ihnen die Schaaren der Kreuzfahrer und glaubte, daß angesichts der gewaltigen Masse der Bedränger die Juden Furcht beschleichen würde. Aber wiederum mußte er aus Aller Munde hören: „Wir taufen uns nicht!" Da befahl er, jeden seiner Schützlinge bis zum nächsten Morgen in ein besonderes Gemach zu sperren, weil er bereits vernommen hatte, daß die Juden sich in der Stunde der Gefahr selbst tödteten. Ein Gemach der Burg hatte der Graf zwei leidenden Frauen, Gentel omb Rebecca, zugewiesen und ihnen ein hübsches, zehnjähriges Mädcken zur Bedienung beigegeben. In der Nacht gab die eine der Frauen