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Im deutschen Reich · 1896-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1896) · p. 365

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
2 (1896)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1896)
Article
Die Judenverfolgungen zur Zeit des ersten Kreuzzuges
Date
1896-07-01
Page
365 (sequence 19)
Language
German
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Die )ude»verfol gungen zur Zeit des ersten Äreszzuges. SS5 der Thoraforscher, der ausgezeichneten, einsichtsvollen Schriftgelehrten, die — wie R. Eliefer bar Nathan erzählt^) — auch ihn in Kenntniflen und Wissenschaft unterwiesen, so galt die Gemeinde zu Köln, gegen die sich nach Vernichtung der Mainzer die wuthschnaubende Schaar Emicho's wandte, als die Stadt, „von wo nach den Worten Salomo bar Simeon's°°) Lebensunterhalt und bestimmter Rechtsspruch ausging für die in allen Enden zerstreuten Brüder," also als Vorort in weltlichen Angelegenheiten, die wahrscheinlich gelegentlich der Wesse, welche dreimal jährlich die Leute von weit und breit nach Köln führt, erledigt wurden. Ende Mai kam Emicho vor Köln an und drang sofort in die Stadt ein. Aber er konnte an diesem Tage nur die Häuser der Juden zerstören, die Synagoge niederreißen, die Thorarollen zerfetzen — die Juden selbst bekam er nicht zu Gesicht! Die Kölner Bürger bewiesen sich — eine rühmliche Ausnahme! — sämmtlich als treue Freunde in der Roth! Ein jeder nahm den jüdischen Nachbar mit dessen Familie in das eigene Haus und behütete sie sorgsam; so mußte Emicho unverrichteter Sache abziehen. Nur 3 Personen, ein Mann, Stamms Jsaac, und 2 Frauen, Matrona und Rebecca, die sich leichtsinniger Weise auf die Straße gewagt hatten, wurden ergriffen und getödtet. Nicht minder freundlich gesinnt als die Bürger war der Kölner Erzbischof Hermann III.; als die Bürger ihm vorstellten, daß die Juden auf die Dauer bei ihnen nicht sicher genug bewahrt wären, ließ der Erzbischof sämmtliche Juden am 3. Juni heimlich aus der Stadt führen und vertheilte sie in 7 ihm gehörige befestigte Ortschaften. Leider brachte seine Hochherzigkeit den Armen keine Rettung, sondern führte nur noch schneller ihr furchtbares Ende herbei; denn Emicho wandte sich mit seiner gewaltigen Schaar, die er in mehrere Haufen theilte, nunmehr gegen die einzelnen Orte, und bald waren die Juden in allen diesen Zufluchtsstätten getödtet. Am Johannisfest, am 26. Juni, wurde von einem solchen Haufen Alt Hofen bei Jülich erstürmt und dort fast sämmtliche Juden getödtet; eine andere Abtheilung war an demselben Tage nach Neuß gezogen und tödtet, ertränkt oder hängt, wen sie von den Juden trifft. Tags darauf gelangt die Horde nach Weveling- 5:>) a. a. Ö. i>. 40 und 159. ,i0) a. a. O. p. 17 und 116.

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