Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 2 (1896)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1896)
- Article
- Die Judenverfolgungen zur Zeit des ersten Kreuzzuges
- Date
- 1896-07-01
- Page
- 363 (sequence 17)
- Language
- German
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Die Judenverfolgungen zur Zeit des ersten Rreuzzuges. 363 führten geglückt, in die festgefügte Schatzkammer des Erzbischofs, die sich in der Kirche befand, zu fliehen. Keiner der Feinde bemerkte sie in der Dunkelheit, die in dem Gemache ist; sie selbst halten sich still. Es wird Nacht; da erscheint , ein dem Kalonymos wohlgesinnter Priester, bringt den Lechzenden Wasser und spricht ihnen Muth zu. Um Mitternacht kommt ein Bote vom Erzbischof, der nach Rüdesheim geflüchtet war und bringt ihnen die frohe Kunde, daß Ruthard ihnen Schiffe zur Rettung sende; glücklich gelangen sie nach Rüdesheim und glauben nun, unter dem Schutze des Bischofs und seiner 300 Gepanzerten für ihr Leben nicht mehr bangen zu brauchen. Doch die Kreuzfahrer erfahren den Aufenthalt der Flüchtlinge, und bald wälzt sich die rasende Schaar nach Rüdesheim zu. Auf die Kunde von ihrem Nahen entbietet Ruthard den Vorsteher und erklärt ihm, daß er nun sein Wort nicht mehr zu halten vermöge: „Euer Gott ist von Euch gewichen und will keinen Rest von Euch übrig lassen; ich habe nicht mehr die Macht, Euch ferner noch rettend beizustehen. Entweder Ihr bekennt Euch zu unserem Glauben, oder Ihr büßet die Schuld Eurer Väter!" Kalonymos bittet den Bischof, wenigstens bis zum nächsten Tage mit seiner Entscheidung zu warten; alsdann begiebt er sich zu seinen Gefährten, theilt ihnen die Worte des Bischofs mit, und Alle beschließen, freiwillig in den Tod zu gehen. Bevor der Vorsteher diesen Beschluß dem Erzbischof überbringt, tödtet er selbst seinen Sohn Joseph. Diese grausige That raubt ihm die Zuneigung des Bischofs, der nun erklärt, die Juden ihrem Schicksal überlassen zu wollen. Kalonymos hat die Aeußerung Ruthard's erfahren und eilt mit einem Messer auf den treulosen Freund zu, wird aber von den Dienern ergriffen und getödtet. Der durch dieses Attentat aufgeregte Erzbischof erläßt nunmehr den Befehl, die Juden schleunigst aus Rüdesheim zu jagen; die ergrimmten Dorfbewohner setzen den Verjagten nach und machen sie größtentheils nieder; nur wenige entfliehen in der Richtung nach Mainz zu; unterwegs stoßen sie auf die heranrückende Schaar Emicho's und werden sämmtlich getödtet. 1014 Personen haben so innerhalb 3 Tagen in und um Mainz auf die furchtbarste Weise ihr Leben dahingegeben/''') Die r,:>) Anü. ■'Wirziburgenses a. a. O. Annales Patberbrunnenses ed. Scbeffer-Boichorst p. 103. Annalista Saxo in Mon. Germ. 6, 729.