Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 2 (1896)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1896)
- Article
- Die Judenverfolgungen zur Zeit des ersten Kreuzzuges
- Date
- 1896-07-01
- Page
- 362 (sequence 16)
- Language
- German
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362 3m deutschen Reich. selbst geopfert. Von der Pfalz eilen die Wüthenden in die Stadt zurück; da dringt zu ihnen die Kunde, daß in dem Hause eines befreundeten Geistlichen sich der Armenvorsteher Mar David, Sohn des Nathanael, mit den Seinigen verborgen hat. Sofort stürzen sie dem Pfarrhaufe zu; der wohlwollende Priester möchte die braven Leute gern am Leben erhalten wißen und ersucht sie, angesichts der drohenden Gefahr die Taufe anznnehmen. Mar David antwortet mit der Aufforderung an die Herandrängenden, sich um ihn zu stellen. Dann ruft et-ihnen laut zu: Ihr glaubt an einen Gott der Nichtigkeit, ich aber glaube an den Allmächtigen, den ewig Lebenden! — und fällt sofort mit den Seinigen dem Rasen der Schaar zum Opfer. Nur wenige Juden bewahren ihr Leben durch Annahme der Taufe; zu diesen gehört einer der Vorsteher, Jsaac, Sohn des R. David. Seine fromme Frau Scholaster war ihrem Glauben getreu erschlagen worden, er selbst hatte die Taufe angenommen vor Allem aus Liebe zu seinen beiden Kindern, die er nicht in christliche Hände kommen lasten wollte. Zwei Tage nach der Taufe ergreift ihn tiefe Reue über seine That, die ihn zum Wahnsinn führt. Er ruft seine Kinder, fragt sie, ob sie dem einig - einzigen Gott sich opfern lassen wollen, und als ihm beide, der Sohn wie die Tochter erwiedern: „Thue, was Du von uns willst," führt er sie um Mitternacht in die Synagoge, opfert sie vor der heiligen Lade, sprengt von ihrem Blut auf die Säulen der Lade, damit es ihm zur Versöhnung werde für seine Missethat. Alsdann kehrt er in sein Haus zurück, legt an allen Ecken desselben Feuer an, begiebt sich sodann wieder zur Synagoge, wirft auch hier nach allen Seiten Feuerbrände und geht dann mit zum Himmel ausgebreiteten Händen, laut einen Lobgesang zu Ehren des Allmächtigen singend, in der Synagoge umher, bis er in den Flammen umkommt. Durch das Feuer wird die ganze Straße, in der die Synagoge sich befindet, zerstört; ja, wenn wir den Würzburger und Hildesheimer Annalen Glauben schenken wollen,") ging damals sogar der größte Theil der Stadt in Flammen auf. Dem Vorsteher der Mainzer Gemeinde ist es mit 53 Ge- SJ) Ann. Wirziburgenses in Hon. Germ. 2,246; Ann. Hildesheimenses in Mon. Germ. 3, 106.