Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 2 (1896)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1896)
- Article
- Die Judenverfolgungen zur Zeit des ersten Kreuzzuges
- Date
- 1896-07-01
- Page
- 361 (sequence 15)
- Language
- German
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361 Die Judenverfolgungen zur Zeit des ersten Äreuzzuge-. Juden Schonung künden, falls sie Mainz auf der Stelle verließen. Aber kurz darauf ändert er wieder feine Gesinnung, wohl gedrängt von der beutegierigen Schaar, und steht plötzlich vor der Burg des Erzbischofs. Die Leute des Bischofs erklären, wie der sächsische Annalist berichtet, daß nicht Christen um der Juden willen gegen Christen kämpfen wollen, werfen die Waffen nieder, fliehen und reißen in der Flucht die jüdischen Genoffen mit. Ruthard selbst flüchtet gleichfalls aus Angst, getödtet zu werden, und nun sind die in den Gemachem der Burg Weilenden, zumeist Alte, Kranke, Weiber und Kinder völlig schutzlos,? Die Männer hüllen sich in ihre Gebetmäntel und erwarten in denselben ruhig den Tod, die Frauen fassen den entsetzlichen Entschluß, zuerst ihre Kinder und dann sich selbst dem Ewigen zu opfern. Einige Mädchen müssen die herandrängende Schaar aufhalten, indem sie unaufhörlich aus den Fenstern Geld und Schmücksachen werfen; während dieser Zeit läßt die Frau des Rabbi Jehuda ihre 4 hübschen Kinderchen von einer Freundin schlachten, und die von wilder Verzweiflung Erfaßte fängt selbst das Blut in einem Becken auf; willig bieten die beiden Mädchen Bella und Metrona ihren Hals dem schartenlosen Schlachtmesser dar, willig folgt der kleinere Jsac, der größere Aron wird nach kläglichem Geschrei ergriffen und geschlachtet. Dann legt die unglückliche Mutter je 2 Kinder an eine Seile, bedeckt sie mit ihrem Gewände und erwartet ruhig die Ankunft der Feinde. Als diese in das Gemach dringen und von ihr Geld verlangen, faltet sie als Antwort ihr Gewand zusammen, so daß die Leichname sichtbar werden und läßt sich sodann, ohne ein Wort zu sprechen, niederstrecken. Die rohen Gesellen berauben die Todten der Sämincksachen, die Rachdrängenden nehmen ihnen die Gewänder weg, und weiter geht es dann zur Pfalz des Burggrafen. Einem aus der Rotte gelingt es bald, in ein Gemach zu dringend er erfaßt eine Thorarolle, die ein Jude festhält, und zerreißt dieselbe. Die in dem Gemach anwesenden Juden rächen diese schmachvolle Entweihung, tödten ihn und werfen seinen Leichnam aus dem Fenster. Da ergreift die Kreuzfahrer eine wahnsinnige Wuth, bald haben sie das Dach der Burg erklettert, decken die Steine ab und schleudern sie herunter, bis alle Juden getödtet sind.' Mehrere, unter ihnen Mar Jacob, Sohn des Salam, dessen Mutter eine Christin war, haben sich schon vorher