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Im deutschen Reich · 1896-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1896) · p. 360

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
2 (1896)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1896)
Article
Die Judenverfolgungen zur Zeit des ersten Kreuzzuges
Date
1896-07-01
Page
360 (sequence 14)
Language
German
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360 Im deutschen Reich. Kalonymos zum Erzbischof Ruthard und dem Burggrafen Gerhard und bitten sie um Schutz; beide versprechen, ihnen zu helfen, der Erzbischof giebt ihnen noch den Rath, ihre Schätze in sein Schatzhaus zu bringen. Die dankbaren Juden vergelten die Zusage durch eine reiche Gabe an den Erzbischof und Burggrafen von je 400 Mark Silber; fast die gesammte Gemeinde weilt bald in der Burg des Erzbischofs oder in der Pfalz des Grafen; nur Wenige sind zurückgeblieben, die in der Synagoge unablässig bis zur Erschöpfung Gott um Abwendung des drohenden Unheils bitten. In der Nacht vor der Ankunft Emicho's glauben die in der Synagoge Zurückgebliebenen, besonders N. Baruch bar Jsac und sein Schwiegervater Jahuda, wie die Quellen berichten, in ihrer durch Kasteien und Beten aufgeregten Phantasie plötzlich die Seelen der verstorbenen Gemeindemitglieder mit lauter und weinender Stimme beten zu hören; sofort eilen sie zu den Glaubensgenossen in die Burgen des Grasen und Bischöfs, künden ihnen ihre Vision und regen die Armen noch mehr'auf: Alle sehen bald in der Erscheinung die Anzeige ihres Untergangs, klagen in ergreifenden Worten, aber ergeben sich in den Willen des Ewigen, „der gerecht ist und besten Nichtersprüche gerade sind".M) Bei der Ankunft Emicho's ist der Erzbischof gerade im Begriff, eine Visitationsreise in seine Diözese zu unternehmen; gegen eine wiederholte Gabe von 300 Mark Silber steht er von seinem Vorhaben ab, bringt die bei ihm weilenden Juden in seine inneren Gemächer und verspricht, sie mit seinem Leibe zu schützen. Bald pocht die gewaltige Masse der Feinde an die Thore der Stadt; einige Judenfeinde öffnen dieselben, und herauf zu den Burgen des Erzbischofs und Grasen wälzen sich die Schaaren. Da regt sich in den Juden der alte Maceabäcrmuth; nicht überlassen sie ihre Vertheidigung den Mannen des Bischofs und dem ihnen wohlgesinnten Theil der Bürgerschaft: Sie selbst gesellen sich bewaffnet zu den Streitern, an ihrer Spitze steht ihr Vorsteher im Panzer und mit gezücktem Schwert. Einen Augenblick scheint es, als ob der hartnäckige Widerstand Emicho zur Besinnung bringt — möglicherweise hat auch eine vorher empfangene Gabe von 7 Pfund Gold ihre Wirkung gethan — er läßt plötzlich den Psalm 119,137.

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