Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 2 (1896)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1896)
- Article
- Die Judenverfolgungen zur Zeit des ersten Kreuzzuges
- Date
- 1896-07-01
- Page
- 359 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2316602-2316611-2316619-2318859--01298-2318961- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Die Judenverfolgungen zur Zeit des ersten Rreuzzuges. 359 seinen Sohn Jsac, den ihm seine Frau Zippora bereits in gereiften Jahren geboren hatte, herbei, erklärt, ihn seinem Gotte — wie «inst der Patriach Abraham — opfern zu wollen, spricht den Segensspruch über die Schlachtung, der gefeffelte Knabe sagt „Amen" und wird von seinem Vater geschlachtet; Meschullam selbst wird bald darauf mit seiner Frau von den Kreuzfahrern getödtet. Jsac, Sohn des Daniel, läßt sich durch die Straßen der Stadt mit einem Strick um den Hals schleifen und ruft jedes Mal, wenn die Peiniger ihn auffordern, den Christenglauben anzunehmen, sein „Höre Israel" — bis die Wüthenden ihn tödten. Der junge R. Simcha ha Cohen ersucht die Bedränger, ihn zum Bischof zu führen — dort wolle er ihren Wunsch erfüllen. Aber wie er dem Bischof gegenübersteht, erfaßt er eist verborgen gehaltenes Meffer, sticht wie ein Rasender um sich, so daß er drei Menschen, darunter den Neffen des Bischofs, tödtet und viele verwundet, bis er — als sein Meffer abbricht — ergriffen und getödtet wird. Die hochgeachtete Frau Minna, die überall als Biederweib gepriesen ist, und in deren Hause, wie uns berichtet wird, die Großen und Fürsten des Landes verkehrten, hat sich außerhalb der Stadt in einem Keller verborgen; ihre christlichen Freundinnen bitten sie, sich doch taufen zu laffen, sie weigert sich standhaft und fleht, sie ungesäumt zu tödten, was endlich geschieht. Seinen furchtbaren Bericht schließt der Mainzer Anonymus mit den Worten des Psalmisten: Die Deinetwegen, Ewiger, Gestorbenen, von dieser Welt Gestorbenen — ihren Antheil hat noch kein Auge erblickt außer Gott allein, der ihn bereitet für die auf ihn Hoffenden!^) Und sieben Tage später wird die größte und angesehenste Gemeinde am Rhein, die in Mainz, „der Schild und der Panzer aller Gemeinden, deren Ruf in allen Landen verbreitet ist", wie Salomo bar Simeon rühmt/*) von dem gleichen Geschick betroffen. In inbrünstigem Gebet haben die Mainzer Juden bei der Nachricht von dem Heranrücken Emicho's zunächst Gott um Errettung aus der Bedrängniß angefleht mit dem Psalmendichter: „O, entferne Dich nicht von uns, denn die Roth ist nahe!"^) Alsdann begaben sich die Angesehensten unter Führung ihres Vorstehers s0) Mainzer Anonymus a. a. O. S. 50 und 174 ff. 5l) a. a. O. S. 2 und 85. r,ä) Psalm 22,12. 24*