Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 2 (1896)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1896)
- Article
- Die Judenverfolgungen zur Zeit des ersten Kreuzzuges
- Date
- 1896-07-01
- Page
- 358 (sequence 12)
- Language
- German
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368 )m deutschen Reich. wurde, so zu handeln — die christlichen Quellen natürlich schmähen ihn als einen durch das jüdische Gold Irregeleiteten! Gleich den elf Märtyrern von Speyer besiegeln bald darauf — am 25. Mai — in Worms die Treue zu ihrem Glauben mit dem Tode nicht weniger als 800 Juden, Männer, Weiber und Kinder, 140 Familien. Auf die Kunde von den Speyerer Greuelthaten sind die Wormser Juden zu einer Berathung zusammengetreten, was sie zu ihrem Schutz thun sollen. Zwei Meinungen herrschen in der Versammlung; die Einen, und zu ihnen gehören die angesehensten Mitglieder der Gemeinde, rathen und beschließen, sich gleichfalls dem Schutze ihres Bischofs, der auf Seite Kaiser Heinrich's steht, anzuvertrauen; die Anderen glauben, den Versprechungen der Bürger von Worms folgen und sich und ihre Habe unter deren Obhut stellen zu können. Leider zeigt es sich bald, daß nicht Freundschaft und Mitleid, sondern schnöde Habsucht die Bürger geleitet hat. Als die Kreuzfahrer nach Worms kommen, liefern die Bürger sofort die Juden ihren Feinden aus. Diese machen alle nieder, die nicht auf der Stelle die Taufe annehmen, die Todten beraubt man sogar der Kleidung, und nackt liegen die Opfer der fanatischen Wuth auf der Straße. Nur wenige Juden geben dem Verlangen der Kreuzfahrer nach, theils aus Schwachheit, theils um die Kinder der Ermordeten, die die Christen weggebracht haben, um sie in ihrem Glauben zu erziehen, wiederzuerhalten — und freudig kommen die Kinder zu den Glaubensgenoffen zurück. Einige der Getauften eilen in die Burg des Bischofs, geben den dort weilenden Juden Nachricht und erhalten von diesen Geld und Gewänder, um die Todten gemäß den Satzungen der Religion zu beerdigen. Aber kaum sind die Dahingemordeten durch die Bestattung den Augen der Würger entzogen, da beginnt die fanatische Schaar nach neuen Opfern zu dürsten: „Nun wollen wir uns," so schreien sie, „an denen rächen, die in dem Gewahrsam des Bischofs sind!" Ntit den Kreuzfahrern verbindet sich der Pöbel aus der Stadt und den umliegenden Dörfern, und der Uebermacht muß bald die geringe Zahl Bewaffneter, die der Bischof der herandrängenden Schaar entgegenstellen kann, weichen. Ein entsetzliches Gemetzel beginnt. Als die Unglücklichen sehen, daß sie rettungslos den Bedrängern ausgeliefert sind, ergreift sie wilde Verzweiflung: R. Meschullam bar Jsac ruft