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Im deutschen Reich · 1896-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1896) · p. 357

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
2 (1896)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1896)
Article
Die Judenverfolgungen zur Zeit des ersten Kreuzzuges
Date
1896-07-01
Page
357 (sequence 11)
Language
German
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Die Judenverfolgungen zur Zeit des ersten Kreuzzuges. 357 verlassen. Glücklicher Weise verweilt Volkmar nicht lange in Mainz; von hier zieht er weiter nach Osten. Die Greuelthaten Volkmar's bilden, wie erwähnt, die Einleitung zu dem furchtbaren Geschick, das nun durch zwei Monate, von Anfang Mai bis Ende Juni, die Juden am Rhein heimsucht und mit der fast völligen Vernichtung der so blühenden jüdischen Gemeinden endet. „Der größte der Bedränger," wie ihn Salomo bar Simeon nennt, Graf Emicho von Leiningen (oder, wie Aronius nriH,4S) vom Nahegau), vereinigt eine große Schaar um sich, so daß er bald über 12 600, ja nach Ekkehard's Weltchronik 14 000 Mann gebietet. „Grausam, tyrannisch, ein anderer Saul," so schildern ihn die christlichen Quellen, und die jüdischen Quellen geben für diese Bezeichnung gewissermaßen die Begründung. Er schonte, schreibt Salomo/") weder Greis noch Jungfrau, hatte Erbarmen weder über Kind, noch Säugling, noch Kranke, zertrat unser Volk wie Staub. Mit einem geradezu teuflischen Plan beginnt er seine Wirksamkeit: Er beschließt, die Juden an einem Sonnabend — am 3. Mai — in Speyer während des Gottesdienstes zu überfallen und sie zu tobten oder zur Taufe zu zwingen. Die Juden sind aber'.von irgend Jemand rechtzeitig gewarnt worden, sie verrichten an diesem Tage ganz früh und schnell ihr Gebet und schließen sich dann in ihren Häusern ein. Als Emicho's Gesellen den Plan vereitelt sehen, ergreift sie furchtbare Wuth, sie erstürmen die Häuser der Juden, tödten elf, die sich weigern, die Taufe anzunehmen, und plündern und rauben, wo sie etwas finden. Wie in Trier) so wenden sich auch hier die geängstigten Juden an den Bischof — nach dem Bericht des Mainzer Anonymus nimmt sogar der Bischof aus freien Stücken sich der Juden an, läßt sie in seine Pfalz bringen und wendet sich, um die Ordnung wiederherzustellen, mit äußerster Strenge gegen die Missethäter. Die Schuldigsten werden ergriffen und ihnen zur Strafe für die Ermordung der Juden eine Hand abgehauen. . Er vertheilt dann, getreu dem Befehle Kaiser Heinrich's, die Juden in die befestigten Orte seiner Diözese und hält sie dort so lange, bis die Gefahr geschwunden ist. Ausdrücklich erwähnen die jüdischen Quellen, daß der Bischof durch Gott veranlaßt 4*J Reg. p. 87. 1U) a. a. £. S. 5 und 92. 24

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