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Im deutschen Reich · 1896-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1896) · p. 356

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
2 (1896)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1896)
Article
Die Judenverfolgungen zur Zeit des ersten Kreuzzuges
Date
1896-07-01
Page
356 (sequence 10)
Language
German
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356 3m deutschen Reich. Priester Volkmar, der zormvüthig kündet, daß Jedem, der einen Juden tödtet, alle Sünden vergeben seien; er leistet den Schwur, nicht eher aus Deutschland in den heiligen Krieg zu ziehen, bis er nicht wenigstens einen Juden getödtet habe. Ihm fallen wohl die ersten Blutthaten, das Vorspiel eines furchtbaren Schauspiels, in Metz zur Last;") 22 der vornehmsten Juden, darunter der Gemeindeeinnehmer Nabbi Samuel ha Cohen, werden ein Opfer seines Fanatismus; von den übrigen Juden ist ein Theil rechtzeitig geflohen, ein Theil nimmt aus Angst die Taufe an. Nun erscheint Volkmar in Trier; die Juden sind bereits von den Flüchtlingen aus Metz vor der Raubgier des heranziehenden Gesindels gewarnt und bringen ihren kostbaren Schatz, die Thorarollen, in ein festes Haus. Aber leider hat sie dabei ein Trierer roher Geselle bemerkt, er macht die hcranstürmende Schaar auf den Ort aufmerksam, wo sie nach seiner Angabe Schätze in Hülle und Fülle finden würden. Die lüsterne Horde klettert auf das Tack, deckt es ab und dringt dann in die Zimmer ein — aus Wmh, daß nur die Thorarollen, mcht das erwartete Geld vorhanven ist, zerreißen und zertreten sie die Rollen; als einzige Beute nehmen sie die Decken und düs Silber, mit dem die Rollen bekleidet find, mit. Die Juden sind inzwischen, um Hülfe zu erbitten, zu dem ihnen wohlgesinnten Erzbischof Egilbert geeilt; leider ist er nicht anwesend; aber einige seiner Beamten können wenigstens die Thorarollen vor völliger Vernichtung retten und den Juden wiederbringen. Der Haufe drängt bald gegen die Häuser der Juden und brüllt um Geld, — und die Juden müssen viermal eine große Geldsumme an Volkmar zäh len, was die Trierer Gemeinde an den Bettelstab bringt.") Bei der Nachricht von den Vorgängen in Metz und Trier regt Rabbi Kalonymos in Mainz ein allgemeines Fasten an, um Gottes Gnade zu erflehen. Bald kommt die zuchtlose Schaar auch nach Mainz,") voller Hohn pflanzt das Gesindel die Kreuzesfahnen gerade vor den Häusern der Juden auf; wo ein Jude sich zeigt, wird er aufgespießt, so daß keiner es wagt, sein Heim zu *:>) a. a. O. S. 28 und 137. 16) a. a. 0. S. 25 und 132. 17) Mainzer Anonymus a. a. O. S. 48 und 170. Mannheimer in der Allg. Ztg. des Iudenthums 1885 S. 317.

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