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Im deutschen Reich · 1896-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1896) · p. 355

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
2 (1896)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1896)
Article
Die Judenverfolgungen zur Zeit des ersten Kreuzzuges
Date
1896-07-01
Page
355 (sequence 9)
Language
German
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Die Judenverfolgungen zur Zeit des ersten Rreuzzuges. 355 völlige Sinnesänderung aus — er bleibt fortan den Juden wohlwollend gesinnt, schwört jetzt, sie zu schützen, und die Juden in Köln und Mainz vergelten sein freundliches Wohlwollen, indem sie ihm als Zeichen ihrer dankbaren Gesinnung je 500 Mk. feinen Silbers überreichen lasten. Im Uebrigen verhallt der Befehl des Kaisers wirkungslos; in dem plötzlich ausgebrochenen Paroxysmus, bei dem die vernünftige Ueberlegung keinen Zugang findet, kümmern sich die Schaaren um einen kaiserlichen Erlaß um so weniger, als sie, wie zuerst Sichel nachgewiesen hat/") in Gott selbst den eigentlichen Führer sehen, der für sie sorgen und die Güter der Gottlosen und Ungläubigen in ihre Hand geben wird. Von diesem schwärmerischen Geist wird in erster Reihe das gewöhnliche Polk, werden besonders die Armen und Unterdrückten, ergriffen; in einzelnen großen Horden unter Führung verkommener Adligen und fanatischer Priester ziehen sie, ohne den Abzug des Hauptheeres abzuwarten, von Frankreich zunächst nach Deutschland und verüben hier schamlos die ärgsten Greuel. Zuerst zieht mit einem gewaltigen Haufen aus dem nördlichen Frankreich Peter, der Eremit, heran, aus Amiens gebürtig, der bis in die neueste Zeit überhaupt als Urheber des Kreuzzuges gegolten ljat.4:3) Die jüdischen Gemeinden Frankreichs haben ihm Empfehlungsschreiben an die deutschen Glaubensbrüder mitgegeben, und auf Grund derselben erhält er überall von den Juden Wegzehrung für seine Leute.44) Er sieht darauf, daß Niemand den Juden Böses zufügt; aber trotzdem bemächtigt sich dieser beim Anblick der wild begeisterten Hausen große Angst, und mit Recht. Denn die Bürger in den Städten werden durch die Reden der Kreuzfahrer aufgeregt; schon hört man sie von der Schmach reden, mit den Feinden Christi leben zu müsten — und nur durch große Geldsummen vermögen z. B. die Juden in Trier die Bürger wieder zu beruhigen; leider nur auf kurze Zeit. Denn kaum ist Peter mit seiner Schaar weitergezogen, da drängen neue Horden in die Stadt; mit ihnen sympathisirt das Gesindel und weift den Beutelüsternen Ort und Gelegenheit. Aus Lothringen kommt der ■*-) Geschichte des ersten Kreuzzuges. 2. Aust., S. 182 st, 203. 43) lieber ihn s. Hagenmcyer, Peter der Eremite, insbes. S. 139 ff. n) Salomo bar Simeon, S. 25 und 181.

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