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Im deutschen Reich · 1896-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1896) · p. 354

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
2 (1896)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1896)
Article
Die Judenverfolgungen zur Zeit des ersten Kreuzzuges
Date
1896-07-01
Page
354 (sequence 8)
Language
German
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854 3m deutschen Reich. Vernichtung bedrohen, falls sie sich nicht zum Christenthum bekehren. „Warum," so rufen die fanatisirten Schaaren, „sind wir so ereifert wegen des Krieges mit den Israeliten in Jerusalems Umgebung? Befindet sich denn nicht unter uns ein Volk, das unfern Glauben nicht achtet, und deren Väter sogar unfern Gott gehängt haben? Warum sollen wir diese leben lasten, warum soll ihre Wohnung unter uns sein? Lasiet unser Schwert mit ihren Köpfen den Anfang machen, und nachher wollen wir die Kreuzfahrt fortsetzen!" In oer großen Angst und Bedrängniß greisen die Juden Frankreichs zur Handlungsweise ihrer Väter, zur Buße, zum Gebet und zur Wohlthätigkeit; drei Tage hintereinander fasten sie, sie senden Briese an die Glaubensgemeinden am Rhein und bitten darin, gleichfalls zu sasteu und für sie um Rettung aus der Feindeshand Gott anzuflehen. Ein solches Schreiben gelangt im Anfang des Jahres 1096 auch an die Gemeinde zu Mainz?") R. Kalonymos, der Vorsteher der Gemeinde, ordnet sofort ein Fasten an und setzt hiervon die französischen Gemeinden in Kenntniß. Aus seiner Antwort spricht im Uebrigen noch volle Zuversicht: Wenngleich die deutschen Juden von Kummer erfüllt seien über das Schicksal der französischen Glaubensbrüder, so brauchten sie selbst nichts zu fürchten — „wir haben Derartiges nicht einmal gerüchtweise vernommen, wir haben von einer Gefahr, daß das Schwert über unserm Leben hänge, nichts gehört!" Wie bitter täuschte sich der edle Mann! Bald kommt nach Mainz die Nachricht, daß Gottfried von Bouillon den bösen Schwur geleistet hat, das Blut seines Erlösers an dem Blute Israels zu rächen") — nun fangen auch die Mainzer an, um ihre Sicherheit besorgt zu werden: Ist doch Gottfried ihnen als mächtiger Herzog von Niederlothringen bekannt — eiligst schickt Kalonymos einen Boten an Heinrich IV., der in Italien gegen seinen mit dem Papst verbündeten Sohn Conrad kämpft, und der Kaiser erläßt sofort den strengen Befehl an die Fürsten, Grafen und Bischöfe, besonders an Herzog Gottfried, die Juden zu beschützen und ihnen im Falle der Roth sichere Zuflucht zu bieten. Dieser Befehl übt auf Gottfried eine 40) Mainzer Anonymus in Quellen, S. 47 und 169 f. 41) Salomo bar Simeon a. O. S. 3-und 87.

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