Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 2 (1896)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1896)
- Article
- Die Judenverfolgungen zur Zeit des ersten Kreuzzuges
- Date
- 1896-07-01
- Page
- 353 (sequence 7)
- Language
- German
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Die Iudenverfolgungei! zur Zeit des erfreu Areuzzuges. 353 ihnen; in zahlreichen Konzilien und Synodalbeschlüffen — so noch 1078 zu Rom") — werden den Juden allerlei Beschränkungen im Handel und Verkehr auferlegt und Kaisern und Fürsten untersagt, Aemter durch Juden zu besetzen. Die Kaiser beachten glücklicher Weise wenig diese Beschlüsse und bleiben den Juden wohlwollend gesinnt; nur Heinrich II. läßt im Winter 1012, aufgebracht wahrscheinlich über den Uebertritt des Geistlichen Wezelin zum Judenthum — die Juden aus Mainz jagen, gestattet aber bald wieder, sowie sein Zorn verrauscht ist, ihre Rückkehr.33) Gerade dieses Ereigniß hat indeß den Juden die Unsicherheit ihrer Lage in krasser Form gezeigt, und ihr Streben geht seither vor Allem dahin, auf urkundlichem Wege einen Rechtsboden zu erlangen. Im Jahre 1090 sehen sie ihre Bemühungen von Erfolg gekrönt: Der den Juden stets wohlgesinnte Kaiser Heinrich IV. sichert zunächst den zahlreichen Nachkommen des Kalonymus in Speyer urkundlich3U) Leben und Eigenthum zu, räumt ihnen Zoll- und Handelsfreiheit innerhalb des Reiches ein, freie Uebung des Glaubens und eigene Gerichtsbarkeit bei Streitigkeiten unter den Glaubensgenossen; und mit fast denselben Worten gewährleistet bald daraus der Kaiser in Worms des Reiches Schutz dem Rabbiner der Wormser Gemeinde (Judenbischof heißt er in der Urkunde) Salmann und seinen Wormser Genossen?') Kaum können die deutschen Juden den Genuß der nun urkundlich gesicherten Rechte und Freiheiten so recht empfinden, der für sie den Beginn des messianischen Reiches einzuleiten schien (das auch nach den Berechnungen eines Schwärmers nahe u>ar!3S), da dringt zu ihnen die Kunde, daß die in Frankreich sich sammelnden Schaaren von Kreuzfahrern („Sie kamen herbei in Menge wie der Sand am Ufer des Meeres, ihre Stimme glich dem Getöse von Sturm uud Unwetter," wie Salomo bar Simeon mit den Worten des Jesaias kündet)3") die Juden Frankreichs mit 34) Reg. Nr. 166, p. 69. nr>) Neg. Nr. 147, p. 63. Anu. Queillinburgenses in Mon. Germ. 3, 81. Gr ätz 5, 495 sf. Reg. Nr. 144, p. 61. :5Ü) Neg. Nr. 170, p. 71—74; das. auch die Literatur. :iT) Reg. Nr. 171, p. 74-77. 3Ö) Salomo bar Simeon in Quellen, S. 1 und 81. aü) a. n. C. S. 4 und 89.