Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 2 (1896)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1896)
- Article
- Die Judenverfolgungen zur Zeit des ersten Kreuzzuges
- Date
- 1896-07-01
- Page
- 352 (sequence 6)
- Language
- German
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352 3in deutscher! Reich. der Jude Ebrachim nennt sich Gottschalk, drei Juden in Köln heißen Thiderich, Ekbert und dessen Sohn Fordols, andere heißen Alexander, Gerhard, Heinrich, und besonders häufig begegnen uns deutsche Frauennamen Adelheid, Agnes, Heilwirdis, Johanna, Jutta, Richenza, Sophia; eine hübsche jüdische Maid führt den Namen Valkinouge, eine stattliche Dame den Beinamen Schonewif."") Auf dem Markt zu Köln kommen alljährlich die Abgesandten der Gemeinden zusammen, um Angelegenheiten des Kultus zu berathen/") auch die Gelehrsamkeit findet unter den deutschen Juden sorgfältige Pflege: „Die Leuchte des Exils", wie R. Gerschom genannt wird/') versammelt um das Jahr 1000 um sich in Mainz zahlreiche Jünger aus Deutschland und Italien; R. Gerschom beruft eine Versammlung gelehrter Zeitgenossen nach Worms, die für das sittliche Leben der deutschen Juden bedeutungsvolle Bestimmungen trifft. — Der kaiserlichen Gunst unter den Herrschern aus dem sächsischen und fränkischen Hause erfreut sich namentlich die Gemeinde in Mainz; dorthin übersiedelt — wohl auf den Wunsch Kaiser Otto's III. — der Jude Kalonymus von Lucca, der dem Vater des Kaisers nach der unglücklichen Schlacht bei Cotrone das Leben gerettet hat/-) Trotz dieser kaiserlichen Gunst, trotz der freundschaftlichen Beziehungen zu ihren christlichen Nachbaren, trotz des nicht unbedeutenden Grundbesitzes überkommt indes gar oft die Juden ein Gefühl der Unsicherheit ihrer ganzen Lage, das sie dann stets an jene Zeit denken läßt, wo ihre Vorfahren in der Herrlichkeit des Reiches nur dem Ewigen, ihrem Gotte, dienten. Diese Unsicherheit preßt R. Gerschom die Klage aus: „Das aus Morija gejagte Vöglein flattert verzagt umher und kann kein sicheres Nest finden!"-'ch — Fanatische Päpste und Geistliche wenden sich nämlich immer und immer wieder in Rede und Schrift gegen die „verstockten Ungläubigen", „die Verblendeten", „die Feinde Gottes" und untersagen — freilich zumeist vergebens — jeden Verkehr mit -y) Höuiger a. a. C. p. 'Jß. :*°) Salomo bar Simeon in Quellen, S. 17 und 116. 3I) Näheres über ihn bei Grätz, 5, 405 ff. Karpeles 1, 564. --) vgl. den Aufsatz von I. Arouius in der Zeitschr. f. Gesch. d. Jud. 2, 82-86. 33) Zunz, synagog. Poesie, p. 172.