Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 2 (1896)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1896)
- Article
- Die Lage in Oesterreich
- Date
- 1896-07-01
- Page
- 343 (sequence 3)
- Language
- German
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Die Lage in Oesterreich. 343 In einem solchen Kampfe sind Leute wie Lueger und seinesgleichen nur Werkzeuge, die man benutzt, belohnt und, wenn man sie nicht mehr braucht, wegwirft. Darin mag vielleicht auch die Erklärung liegen, warum die einflußreichen Protektoren sich für die einfache Bestätigung Lueger's als Bürgermeister nicht sehr eifrig einsetzten. Er ist vielleicht noch nicht hinlänglich dressirt. In einem solchen Kampfe liegt auch die Entscheidung nicht mehr im Wiener Nathhause oder im österreichischen Reichsrathe. Es handelt sich für Oesterreich und besonders für die Deutschen in Oesterreich um mehr als um die Wahl eines Juden zum Wiener Stadtrath und um mehr als um die Differenz zwischen Lueger und dem gewesenen liberalen Bürgermeister Grübl. Dort, wo der archimedische Punkt liegt, von dem aus man den Dreibund aus den Angeln heben will, wird man es wohl als angenehme Zugabe betrachten, wenn dabei die Gleichberechtigung der Juden in die Brüche geht, aber die Hauptsache ist dies nicht. Unter solchen Umständen macht das Vorgehen unserer sogenannten „Deutschvolklichen" einen bemitleidenswerthen und betrübenden Eindruck. Während die klugen Magyaren Jeden, der sich zu ihrer Nationalität bekennt, ohne Rücksicht auf Abstammung und Religion mit offenen Armen aufnehmen und mit solcher Politik große Erfolge erringen, bleiben die „Strammnationalen" in Oesterreich in ihrer Raffentheorie vernarrt. Die Lehre von der Gleichheit und Bruderschaft aller Menschen, von den jüdischen Propheten verkündet, vom Christenthum übernommen und als wirksamstes Mitte! der Propaganda benutzt, wird von den Magyaren, den vielgeschmähten „Asiaten" befolgt, während die fanatisirten „Junggermanen" diese Lehre verschmähen. Mit diesem nationalen Hochmuth, mit dieser anmaßenden Exklusivität haben sie werthvolle Bundesgenossen abgestoßen und sind zu Handlangern der Reaktion herabgesunken. Ohne Hülfe der Klerikalen, von denen sie sich manche Demüthigung gefallen lassen müssen, können die Deutschnationalen in Oesterreich nichts Bedeutendes erreichen. Sie versichern zwar, bald mit hochmüthigem Chauvinismus, bald mit schlauer Miene, daß das Bündniß nur bis zur Besiegung der Juden und Judenliberalen dauern soll und daß sie dannschon mit den Klerikalen abrechnen werden. Darin aber täuschen sie sich gründlich. So dumm, um sich von den 23*