Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 2 (1896)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1896)
- Article
- Vereinsnachrichten
- Date
- 1896-06-01
- Page
- 335 (sequence 3)
- Language
- German
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Vereinsnachrichten. 335 „Freudenstadt" das Kurhaus „Palmenwald" unter Hinweis auf eine „christliche Hausordnung" empfiehlt. Noch weniger empfindlich ist es, daß der Besitzer des Kurhauses Oberweiler im Schwarzwald öffentlich „den Besuch jüdischer Gäste als unerwünscht" bezeichnete. Weil „chronische Intoxikationen", gegen welche Oberweiler angeblich Heilung schaffen soll, bei Juden selten Vorkommen, wird der Besitzer des Kurhauses nach bekannten Vorbildern bei den Gegnern derselben Ersatz gesucht haben. Die „Tägliche Rundschau" irrt, wenn sie voraussagt, künftig werde die Wahl eines Bades die Losung entscheiden: Judenbad oder nicht Judenbad? Anständige Leute fühlen sich von dem Treiben Derjenigen, die wie die Gassenjungen an die Wände der Badekabine „Juden raus!" kritzeln, schon jetzt so angeekelt, daß die Frage lauten wird: Antisemit ennest oder nicht?" Da selbst judenfeindlichen Besitzern von Kuranstalten diese letztere Bezeichnung nicht erwünscht scheint, geben sie ihre Gesinnung neuerdings in verblümter Weise kund. In den „Berliner Anzeigen der amtlichen Tagesordnung der ärztlichen Vereine" empfahl in letzter Zeit der Badeinhaber Georg Schmalzl wiederholt den Luft- und Wasser-Kurort Ein öd bei Friesach in Obersteiermark als „echt christlichen Aufenthalt". Da die Lust- und Wasser-Kur mit der Religion kaum etwas zu schaffen haben dürste, muß angenommen werden, daß Herr Schmalzl seine „Einöd" durch Nichtchristen zu beleben Widerwillen hegt. Die Staatsbürger jüdischen Glaubens werden gut thun, ihre Erholung dort zu suchen, wo weder in der Landschaft, noch in den Menschenköpfen Oede vorhanden ist! Der bereits erwähnte holsteinische Badeort Heiligenhafen ist neuerdings Gegenstand einer „Gründung" geworden. In antisemitischen Blättern fordern die Herren Dr. med. Neidhardt, C. Fuhrmann, H. Friedrichs, A. Schetelig und A. Kühl zur Betheiligung an der Gründung der „Deutschen Badegesellschaft Heiligenhafen, A.-G.", auf. Man will 3000 Antheile ä 200 Mk. ausgeben. Zur Empfehlung des Unternehmens, welches zur Säuberung anderer Ostseebüder beitragen dürfte, sagt die „Tägliche Rundschau": /,Heiligenhafen ist das erste Ostseebad gewesen, das sich schon vor Jahren auf einen entschieden nationalen Standpunkt gestellt und allen jenen Elementen, die bekanntlich in unfern Bädern überall den Deutschen mehr oder weniger zum Aerger gereichen, seine Pforten verschlossen hat. Wie uns mitgetheilt wird, stehen auch jetzt an der Spitze des neuen Unternehmens zuverlässige Männer, welche unbedingte Sicherheit nicht nur dafür bieten, daß die Aktien ausschließlich in christliche deutsche Hände gelangen, sondern auch dafür, daß wir uns während eines sommerlichen Aufenthalts in Heiligenhafen