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Im deutschen Reich · 1896-06-01 · Heft 6 (Juni 1896) · p. 334

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
2 (1896)
Issue
Heft 6 (Juni 1896)
Article
Vereinsnachrichten
Date
1896-06-01
Page
334 (sequence 2)
Language
German
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334 Im deutschen Reich. so umfangreich als das vorige ist, zeigt, daß nicht nur die Zahl der Vereinsmitglieder, sondern auch die Theilnahme der ganzen Synagogen- Gemeinden und ihrer Vorstände bedeutend zugenommen hat, daß der Central-Derein heute in etwa 400 Ortschaften vertreten ist, darunter in vielen, in welchen er noch im vorigen Jahre unvertreten oder auch ganz unbekannt war. — Seit der Drucklegung des neuen Mitglieder-Verzeichnisses haben wir fast täglich neue Beitrittserklärungen erhalten, besonders zahlreiche aus Bamberg, Nürnberg, Posen u. s. w. Zu den Dingen, deren Erörterung sich der Vorstand u. A. angelegen sein ließ, gehörten auch die Ungehörigkeiten, welche zahlreichen jüdischen Familien im verflossenen Sommer den Aufenthalt in einzelnen Erholungsorten gründlich verleidet haben. Die einzige Abhilfe konnte geschafft werden durch die möglichste Verbreitung des Rathes, sorgfältig diejenigen Erholungsorte zu meiden, in welchen die Verwaltungen das erwähnte Unwesen duldeten, oder selbst den Besuch jüdischer Familien als nicht wünschenswerth bezeichneten. Ueber den Antisemitismus in Badeorten brachte bereits vor einigen Monaten diese Zeitschrift folgende von mehreren andern Blättern in dantenswerther Weise weiter verbreitete Auslassung: „Unliebsame Erfahrungen, welche verschiedene deutsche Staatsbürger jüdischen Glaubens an einzelnen Badeorten gemacht haben, dürften dazu dienen, bei der Wahl von Erholungsorten künftighin streng diejenigen zu meiden, welche vorzugsweise von entschiedenen Judengegnern besucht werden. Diese letzteren werden darin kein e Boykottirung einzelner Orte, sondern nur eine ihnen erwünschte „reinliche Scheidung" sehen, bei welcher die Juden nichts verlieren. Wenn diese die "Nordseebäder Borkum und Juist, wo sie Beleidigungen zu befürchten haben, meiden müssen, bleibt ihnen das benachbarte Weltbad Norderney, wo noch Wallenstein's Grundsatz gilt: „War sonst der Mann nur gut; ich pflegte nach dem Katechismus nicht zu fragen!" Die Ostseebäder Eolberg, Stolpmünde u. A. m. bieten hinreichend Ersatz für Saßnitz aus Rügen, wo ein antisemitisches Treiben geduldet wurde, über welches bittere Klage geführt worden ist, auch für Heiligenhafen, wo die Badeverwaltung die Verscheuchung der Juden durch ausnahmsweise hohe Kurtaren ausdrücklich ankündigte. Nach einer Mittheilung der „Täglichen Rundschau" soll sich auch das „hübsche" Ostseebad Zinnowitz gegen jüdischen Besuch erklärt haben, was wir gerade nicht „hübsch" finden! Zwei Gasthöfe in Tabarz i. Thür, haben sich durch Anschläge jüdischen Besuch verbeten, worüber man in dem viel mehr Komfort bietenden reizenden Friedrichsroda nicht böse sein wird. Da man nicht ungestraft unter Palmen wandelt, können es die Juden verschmerzen, wenn die SLadtgemeinde

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