Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 2 (1896)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1896)
- Article
- Vereinsnachrichten
- Date
- 1896-06-01
- Page
- 336 (sequence 4)
- Language
- German
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336 3m deutschen Reich. tatsächlich wie zu Hause suhlen." — Daß sich die Antisemiten für die Sommermonate vollständig isoliren, ist bezeichnend; sie sollen durchaus iu den von ihnen gegründeten Badeorten von Niemandem gestört werden! A. L. Briefkasten der Redaktion. S. Z. hier. „Was man sich in Amerika von den deutschen Antisemiten erzählt" — darüber können Sie nach den Mißerfolgen Ahlwardt's kaum zweifelhaft sein. Hören Sie, was unser nützlicher Freund K. Sedl. darüber in seinem Blatte schreibt: „Eine deutsche Zeitung in Philadelphia hat einen Berichterstatter hierher gesandt, welcher ihr folgenden Bericht einschickte: „In Berlin giebt es nicht nur eine antisemitische Partei und antisemitische Zeitungen, sondern auch antisemitische Klubs, Hotels, Wirthshäuser u. s. w. Auf meinen Streifzügen durch Berlin führte mich der Zufall in ein solches Lokal. Eine Anzahl Neugieriger, welche durch die Fenster gafften, hatten meine Aufmerksamkeit erregt; aus dem Innern drang Chorgesang mit Musikbegleitung; die Wände waren von oben bis unten mit großen und kleinen Bildern bedeckt und das Buffet vollständig!! mit Plakaten behängen. Ich beschloß einzutreten. Die erwähnten Plakate trugen Inschriften, wie: „Willst Du nach alter deutscher Weise Ein Stündchen sein im Zecherkreise, So kehr' im Deutschen Wirthshaus ein. Dort wird niemals ein Jude sein." oder: „Reine Luft — Kein Knoblauchduft!" Dieses waren ungefähr die „anständigsten" Verse. Die Bilder waren zotenhafte!! Karrikaturen-Aquarelle, größtentheils solchen Charakters und mit solchen Inschriften versehen, daß man nicht prüde zu sein brauchte, um schamroth zu werden!! Ich folgte einer Einladung des freundlichen Wirthes in das Hinterzimmer, wo ein etwa 40 Mann starker antisemitischer Gesangverein unter einem Dirigenten