Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 2 (1896)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1896)
- Article
- Umschau
- Date
- 1896-06-01
- Page
- 321 (sequence 7)
- Language
- German
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Umschau. 321 „Deutscher Bauernbund", dessen Expedition am 16. Mai Folgendes bekannt machte: „Alle Jahresabonnenten, sowie Alle, die bis Ende Juni voll bezahlt und im April keine Zeitung erhalten haben, wollen als Entschädigung dafür aus unserm Verlagsverzeichniß in dieser Nummer sich für 20 Pfennig etwas auswählen. Wir senden dann das Gewünschte frei zu." Die Expedition hatte anscheinend ernstliche Bedenken dagegen, die 20 Pf. den Abonnenten baar zurückzuzahlen, wozu sie zweifellos verpflichtet war. Ganz so schlimm mag es mit der Zimmermann'schen „Deutschen Wacht" nicht stehen, aber, bezeichnend ist es jedenfalls, daß, als am 21. Mai d. I. in der Persteigerungshalle des König!. Amtsgerichts zu Dresden vier Aktien derselben über je 200 Mk. zur' öffentlichen zwangsweisen Versteigerung gelangten, für die einzelnen Aktien nur Preise von 32—37 Mk. erzielt wurden. 92ach dreijährigem Vegetiren ist die antisemitische „Hofer Abendzeitung" mitten im Quartal eingegangen. Herr Thelemann sendet seinen bisherigen Lesern bis zum Quartalsschluß das Münchener Antisemitenblatt Wengg's, ein Auskunftsmittel, das sich von dem in Landsberg angewandten wenig unterscheidet. Wäre der Geschäfts-Antisemitismus noch nutzbringend, dann brauchte auch der Herausgeber des „Wegweisers durch Berlins christlich-deutsche Geschäfte" keine Bittgesuche um „einmalige Zuwendungen von 50 bis 100 Mk." zu versenden. Das anscheinend an zahlreiche Antisemiten versandte Schreiben, in dem sich Herr W. Kretzer in Eharlorrenburg als persönlich ruinirt bezeichnet, schließt mit den Worten: „Und nun gehe hin, meine Epistel, rühre das Herz des reichen Mannes, auf daß er dem bedürftigen deutschen Bruder helfe! Das walte Gott!!" Der Niedergang der antisemitischen Presse und der Ruin zahlreicher mit der antisemitischen Bewegung verbundenen Existenzen bringen aber diese Bewegung noch durchaus nicht zum Stillstand, weil die von glänzender Schönrednerei getragenen trügerischen Lehren öden Rassenhasses von einem großen Theil der akademischen Jugend begierig eingesogen worden sind und bei jeder Gelegenheit verwerthet werden. Die Spuren dieses traurigen Geistes in deutschen Landen kennzeichnet Friedrich Lange in der von ihm herausgegebenen „Deutschen Zeitung" indem er triumphirend sagt: „Noch zu Anfang der achtziger Jahren nahmen Burschenschaften und Landsmannschaften Juden auf, ohne sich Arges dabei zu denken — heute wissen sie von dieser Sünde an: deutschen Geist und handeln danach. Bor Kurzem noch hatte die deutsche Turnerschaft das geistige Vermächtniß ihres Begründers vollständig vergessen und ließ sich auf dem Breslauer Feste mit ihren heiligsten