Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 2 (1896)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1896)
- Article
- Umschau
- Date
- 1896-06-01
- Page
- 320 (sequence 6)
- Language
- German
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320 3m deutschen Reich. dann weit heftiger gegen die antisemitische Reichstagsfraktion, als gegen die Juden los. Aber auch die von Hans von Mosch redigirte Hamburger „Deutsche Reform" hat kürzlich erklärt, daß die antisemitische Bewegung durch die Liebermann und Jskraut wieder in den Sumpf geführt werde. Gegen den Reichstagsabgeordneten von Langen erhebt Hans von Mosch in dem Hamburger Blatte Beschuldigungen schwerster Art, welche ein Anderer wahrlich nicht unwiderlegt lassen würde. Anscheinend wird sich der Reichstagsabgeordnete Liebermann von Sonnenberg minder geduldig zeigen und es nicht bei Klageandrohungen bewenden lassen. In dem Briefkasten des antisemitischen. „Badischen Volksboten" war wenigstens nachstehende Notiz enthalten: „Der Artikel über Liebermann von Sonnenberg ist ein Abdruck aus den „Mittheilungen des Vereins zur Abwehr des Antisemitismus". Herr von Liebermann erklärt, auch gegen die Blätter, die diesen Artikel Nachdrucken, vorgehen zu wollen, sofern die sehr vorsichtige Abfassung eine Klage überhaupt gestatte. Gegen Mosch, Sedlatzek und Braumann ist bereits Klage erhoben, so daß sich bald Herausstellen muß, ob an diesen Behauptungen etwas wahr ist oder nicht." Tie redaktionelle bezw. die technische Leitung des Heidelberger Antisemitenblattes ist übrigens am 31. Mai in die Hände der Herren F. Goebel und I. Hüneke übergegangen, .nachdem A. Schwaiger und F. Bauer aus der Druckerei des „Badischen Volksboten, Schwaiger, Bauer u. Cie." ausgetreten sind. F. Goebel ist Generalsekretär der deutsch-sozialen Reformpartei in Baden und des Badischen Bauernbundes. Die Tendenz des Heidelberger Blattes wird dennoch dieselbe „agrarisch-antisemitische" bleiben, welche der „Deutschen Tageszeitung" in Berlin und — mit Respekt zu sagen — dem „Landsberger Boten und Deutschen Bauern-Bund" in Landsberg a. W. innewohnt. Vermuthlich werden auch die geistigen und materiellen Erfolge sich ähneln! Die „Deutsche Tageszeitung" schrieb kürzlich über das Kleeblatt „Blad-Becker-Stern" und knüpfte daran die geistreiche Frage: „Daß alle Drei semitischer Herkunft sind, ist doch wohl nur zufällig?" Daß die Semiten in der Lage sind, aus der Antisemiten-Galerie ganze Kränze ähnlicher Kleeblätter zu winden, ist selbstverständlich auch nur ein Zufall! Ein Neinfall für alle Betheiligten ist es aber, daß die Bilanz der „Aktiengesellschaft Deutsche Tageszeitung", Druckerei und Verlag zu Berlin, für 1895 mit einem Verlust von 152 199 Mk. und 52 Pf. abschloß! Und noch reizender ist die materielle Lage des agrarisch - antisemitischen Landsberger Blattes