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Im deutschen Reich · 1896-06-01 · Heft 6 (Juni 1896) · p. 319

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
2 (1896)
Issue
Heft 6 (Juni 1896)
Article
Umschau
Date
1896-06-01
Page
319 (sequence 5)
Language
German
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Umschau. 319 Wohl auch nur zur Belehrung sind die in der Provinz Brandenburg wohnenden Genossen der deutsch-sozialen Neformpartei von dem Professor Di-. P. Förster zu dem ersten brandenburgischen Parteitage eingeladen worden, der am 7. Juni in den Viktoriasälen zu Berlin abgehalten wurde. Von jedem Theilnehmer wurde ein „Eintrittsgeld" von 1 Mark erhoben, doch war dies wohl nicht der alleinige Zweck. Es galt wohl auch den Riß zu verkleistern, der seit den heftigen Angriffen Carl Paasch's auf den Reichstagsabgcordneten Liebermann von Sonnenberg mitten durch die deutsch-soziale Reformpartei geht. Das von dem Professor Förster gegründete Blatt „Freideutschland" nannte es eine „ungeheure Dummheit" Berlins, seinen Antisemitismus unter den sächsischen zu beugen. Die konservativantisemitische „Kreuzzeitung" macht sich bereits über das Treiben der „angeblich freisinnigen" A n tis emit en- V e r ein i g un g lustig, indem sie über eine Versammlung derselben, in welcher über die antisemitische Reichstagsfraktion ein deutsches Vehmgericht gehalten werden sollte, wie folgt berichtet: „Um 91/* Uhr saßen die 30 Personen, die sich zusammengefunden halten, noch in dem Halbdunkel des spärlich erleuchteten Saales. Zu mehrfacher Ueberraschung hatte auch eine längst vergessene Größe die Versammlung mit ihrer Anwesenheit beehrt: Herr Ludwig Schweinhagen, der sich gern Schwennhagen nennt. ° Er ist vor kurzer Zeit aus dem Gefängniß zurückgekehrt, in das er wegen Beleidigung des Finanzministers Miquel geschickt worden war. Wie er mittheilte, vertritt er jetzt hier den Redakteur Sedlatzek des „Antisemitischen General- Anzeigers", der ebenfalls sitzen muß. Gegen 9:V4 Uhr waren etwa 50 Personen beisammen. -Mun ging der Geldeinnehmer auf das Podium und eröffnete die Versammlung. Er war der Einberufer. Wie man uns erklärte, soll dieser Herr seinen ursprünglichen Namen Maier in Maire verwandelt haben. Er begann gleich, tüchtig auf das „krummbeinige Zeug" zu schimpfen, die einmal „mit dem Pusten ihrer Posaunen Mauern umschmoißen wollten", und die dem Christenthume ihr Anhängsel „das Alte Testament" aufgedrängt hätten w. Dann meinte er: die antisemitische Bewegung schläft wieder (Allgemeine Zustimmung), aber nur deshalb, weil mal die kirchliche Geschichte, die Stöcker und der Junker Liebermann dazwischen gekommen sind. Der Ahlwardt aber — ja, das war Einer, der hat's verstanden! (Lebhafter Beifall.) Wir bekämpfen fünf Js: Juden, Junker (Zuruk: Pfaffen.) Maire: Ree, es muß mit I sein, sagen wir: Jesuiten, Impfer und Juriden! (Große Heiterkeit.)" In dieser Tonart ging es weiter; die sämmtlichen antisemitischen Redner zogen

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